Wir sind verrückt nach Cinemagrammen – diesen unwiderstehlichen Mischformen mit Hingucker-Garantie, irgendwo zwischen Foto und Video. Wir haben uns mit dem Grafikdesigner Chris Converse unterhalten, dessen Cinemagramme uns begeistern.

Warum kann ich nicht aufhören zu schauen?

Wenn man zum ersten Mal ein Cinemagramm sieht, fällt es schwer, nicht zu starren: Es entspricht nicht ganz unseren Erwartungen an ein Foto (etwas bewegt sich!), aber es hat auch nicht den Storybogen eines Videos.

Das Medium nimmt bei Chris’ Kunden derzeit Fahrt auf, da es eine Möglichkeit ist, die Aufmerksamkeit der Zuschauer in einer Welt zu erregen, die uns mit Inhalten bombardiert. „Es gibt keinen Anfang und kein Ende. Die Botschaft ist also direkt“, sagt Chris. „Ich denke, das ist der Grund, warum viele Werbetreibende diese Form wiederentdecken. Man erhält eine tolle Animation, ohne dass man die Leute fünf, sechs oder sieben Sekunden lang beschäftigen muss, um ihnen eine Geschichte zu erzählen.“

Auch die sozialen Medien tragen dazu bei, dass die Zahl der Cinemagramme zunimmt. Da Plattformen wie Facebook und Twitter jetzt Autoplay unterstützen, können Cinemagramme die Aufmerksamkeit der Leute auf sich ziehen, ohne sie auch nur zum Klicken aufzufordern.

Woher kommen Cinemagramme?

Während Cinemagramme in den letzten Jahren den Geschmack der Kundschaft getroffen haben, geht der früheste Einsatz bereits auf das Jahr 2011 zurück, als Videofirmen damit begannen, Bilder als animierte GIFs zu produzieren – die einzige Technik, die zu diesem Zeitpunkt in allen Browsern funktionierte. Der Prozess bestand darin, Frames aus einem Video zu entnehmen und sie mühsam zu einem nahtlosen Loop zusammenzufügen.

Chris war in der Anfangszeit dabei, als animierte GIFs populär wurden. „Ich arbeitete in einem medizinischen Zentrum und wir beschlossen, Animationen zu erstellen, um zu zeigen, wie normale Gehirnfunktionen im Vergleich zu Anfällen funktionieren. Es waren Animationen mit nur vier Bildern, die super klein sein mussten, weil damals noch alle Modem-Internetzugänge hatten. Aber sie funktionierten so gut, dass andere Abteilungen auch nach ihnen fragten.“

Das Handwerk hinter einem Cinemagramm

Die häufigste Basis für ein Cinemagramm ist laut Chris ein 5 bis 20 Sekunden langes Video. „Man stellt ein Stativ auf und richtet es z. B. auf wie fließendes Wasser, Schnee oder Wind“, sagt Chris. „Dann fügt man das Video in Adobe Photoshop oder After Effects ein und ermittelt einen Punkt am Anfang und am Ende des Videos, an dem die Frames ziemlich nah beieinander liegen – wenn es sein muss, mischen wir die Frames, um einen Loop zu erstellen.“

Wenn sich alles im Video bewegt, wählt Chris ein Standbild aus und maskiert die Bereiche, die er bewegen möchte, während die anderen statisch bleiben.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, mit einem Standbild zu beginnen und die Bewegung mit einem Werkzeug wie Particle Systems in Adobe After Effects zu simulieren, das Effekte wie Nebel oder Schnee erzeugen kann. Man kann das Bild auch mit Fractal Noise in After Effects verzerren: Auf diese Weise hat Chris das wogende Wasser in seinem Schildkrötenbild erzeugt.


Das Beste vom Besten

Eines von Chris’ Liebling-Cinemagrammen hat das Foto eines Wals von David Fleetham als Basis, dem berühmten Unterwasserfotografen. Chris und sein Team behielten den Wal, ersetzten aber den Hintergrund durch Wasser, das sie mit dem Gradient Tool in Adobe Photoshop CC erstellt hatten. Sie verwendeten im Anschluss Partikel und Lichter in Adobe After Effects CC, um es aussehen zu lassen, als ob die Sonne vom Meeresgrund reflektiert wird, direkt außerhalb des Frames.

Ein weiterer Favorit fängt eine Szene von Knott’s Berry Farm’s Halloween Event ein. Chris hat die Animation mit JavaScript erstellt (das vollständige Tutorial findet ihr hier). „Wenn ihr JavaScript verwendet“, erklärt er, „können die Teile des Bildes zufällig angeordnet werden. Wir haben Lichter, die zu zufälligen Zeiten flackern und zwei Nebelschichten, die sich in unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegen. Die Schleifen müssen nicht übereinstimmen. Wir könnten also eine 40-Sekunden-Schleife für die Nebelschicht und eine 20 Sekunden-Schleife für die Wolken nehmen.“

Was kommt als Nächstes?

Da sich die Technik schnell entwickelt, haben wir uns gefragt, was Chris über die Zunkunft denkt. „Ich denke, dass die Leute anfangen werden, 360°-Cinemagramme zu erstellen. Man wird vielleicht einen Raum zu sehen bekommen, in dem das Kaminfeuer brennt, aber alles andere statisch ist. Oder es könnte schneien oder hinter der Fensterscheibe regnen. Es könnte mehrere Dinge geben, die sich bewegen. Es werden allerdings nur ein oder zwei Dinge auf einmal zu sehen sein, wenn man sich durch den Raum bewegt.“

Auch wenn die Technik voranschreitet: Das Ziel von Cinemagrammen wird immer sein, ihre Funktionsweise zu verbergen. „Von einem guten Cinemagramm sollte man fasziniert sein und die Technik im Hintergrund gar nicht bemerken“, sagt Chris.

Wer mehr von Chris und seinen Cinemagrammen sehen möchten, wird hier fündig. Auch Adobe Stock bietet zahlreiche Cinemagramme an: Klickt euch durch unsere Cinemagramm-Galerie!