Santi Nuñez kam über den Umweg als Grafik- und 3D-Designer zur Stockfotografie. Als er 2015 seine erste Kamera kaufte, war es um ihn geschehen. Seither fotografiert Santi unaufhörlich und ist stets bestrebt, seine fotografischen Skills und Techniken zu erweitern. Seine Leidenschaft für das Handwerk, gepaart mit seiner Erfahrung als 3D-Artist, ebnete ihm den Weg in die Welt der Fotografie, wodurch er es schaffte, innerhalb von nur zwei Jahren als Vollzeit-Stockfotograf durchzustarten. Wir trafen den Senkrechtstarter zum Interview.

Hallo Santi, schön, dass wir uns treffen! Eine Frage, die uns auf den Nägeln brennt gleich vorneweg: Ursprünglich warst du als Designer tätig und bist jetzt Profi-Fotograf. Wie war dieser Wandel für dich?

Seit Anbeginn meiner beruflichen Laufbahn war ich immer neugierig und auf der Suche nach Weiterentwicklungsmöglichkeiten und Chancen, neue Skills zu erlernen. Es gab einen bestimmten Moment, in dem ich merkte, dass meine Motivation, als 3D-Designer zu arbeiten, nachließ – und so kam ich zur Stockfotografie. Es war ein Geschäftsmodell, das mich auf Anhieb faszinierte und ehe ich mich versah, hatte ich schon eine größere Investition getätigt, um mir ein „Starter-Kit“ zuzulegen, mit dem ich richtig in diese Welt eintauchen konnte.

Der Wandel kam schrittweise. Im März hatte ich bereits mein Zweijähriges im Bereich der Stockbranche. Die meiste Zeit habe ich versucht, meine 40-Stunden Arbeitswoche mit der Arbeit als Stockfotograf unter einen Hut zu bekommen, bis ich mich im Dezember 2016 dazu entschied, mich exklusiv der Stockfotografie zu widmen. Das war an diesem Punkt dank der Verkäufe meiner Fotos möglich.

Dafür habe ich viel geopfert und viele, viele Stunden in die Produktion und Bearbeitung meiner Bilder gesteckt. Aber das Gefühl der Zufriedenheit ist extrem motivierend und spannend, wenn du siehst, dass sich deine Bilder weltweit verkaufen.

Worin siehst du den Vorteil, deine Bilder bei Adobe Stock anzubieten?

Die Stockfotografie selbst hat mir Chancen und Vorteile aufgezeigt, die mich überzeugt haben, in diese Welt einzutreten. Ich bin einer der wenigen Profi-Fotografen, die über die Stockfotografie zur Fotografie gekommen sind – nicht andersrum. Es gibt sehr wenige Geschäftsmodelle, die dir die Möglichkeit geben, auf einem globalen Markt vertreten zu sein, einem Markt der 24 Stunden am Tag geöffnet ist und das auch noch 365 Tage im Jahr. In der Position zu sein, dass man sich bei der Produktion kreativ austoben kann und damit genau das zu tun, wofür man wirklich brennt und damit auch noch Geld zu verdienen – das ist einfach unglaublich!

Was sind die Herausforderungen, vor die du als Stockfotograf gestellt wirst?

Die größte Herausforderung, die ich für mich sehe, ist die Chance, sich mit jeder Produktion qualitativ zu steigern. Wenn ich eine Shooting-Session beginne, dann versuche ich jeden einzelnen Schritt besser zu machen als das vorherige Mal. Von der Vorproduktion über die Produktion bis hin zur Nachbearbeitung – das sind die drei essenziellen Schritte, die vor jedem Shooting wohldurchdacht sein wollen. Die ersten zwei Steps sind meiner Meinung nach am wichtigsten, damit die Session reibungslos läuft. Diese letzten eineinhalb Jahre als Stockproduzent haben mich gelehrt, dass, wenn man die Vorproduktion gut vorbereitet, der ganze Shooting-Tag runder läuft. Es ist klar, dass das Endresultat in der Regel einfach besser ist, wenn man inspiriert in den Tag startet.


Wie würdest du deinen Stil beschreiben – sowohl in ästhetischer Hinsicht, als auch was die Produktion anbelangt?

Ich denke nicht, dass es einen festen Stil gibt, der meine Bilder beschreibt. Ich habe mir verschiedene Verhaltensweisen angeeignet, bei denen ich sehe, dass sie einen positiven Einfluss auf die Produktion haben. Die meisten Models, mit denen ich arbeite, sind keine Profis, und viele von ihnen sind zu Beginn einer Shooting-Session recht unsicher vor der Kamera. Deshalb versuche ich vor jedem Shooting erst einmal die Situation aufzulockern, indem ich ein bisschen Small Talk betreibe. Dass sich das Model wohlfühlt, macht schon alleine 70 Prozent eines erfolgreichen Shootings aus. Eine relaxte Atmosphäre während der Session spiegelt sich immer in den daraus entstehenden Bildern wieder.

Darüber hinaus versuche ich Bilder zu produzieren, die einen möglichst cleanen Look haben – ohne irgendwelche Bildelemente, die vom eigentlichen Motiv ablenken. Auf diese Weise ist es mir möglich, den unterschiedlichen Bildelementen jeweils die Rolle und Relevanz zuzuordnen, die ich für sie vorgesehen habe.

Was inspiriert dich?

Inspiration finde ich, indem ich raus vor die Tür gehe. Spaziergänge sind für mich die ideale Methode, um perfekte Locations für die verschiedensten Shootings zu finden oder um Personen kennenzulernen, die mich inspirieren. Heutzutage werden wir jeden Tag online mit Hunderten von Bildern konfrontiert, darunter auch solche, die uns zu neuen Ideen für die nächste Produktion inspirieren. In sozialen Netzwerken wie Instagram kann man unglaublich gute Arbeiten von Kollegen sehen und es gibt immer etwas zu lernen und zu entdecken.

Du bist gebürtiger Spanier und lebst auch dort – welchen Einfluss hat Spanien auf deine kreative Arbeit?

Spanien ist ein Land, das so viele Alternativen bietet. Es ist ein Privileg, so viele Sonnenstunden und Sonnentage im Jahr zu haben. Und auch auf den Inseln und Halbinseln hier vom Meer umgeben zu sein und dadurch die Möglichkeit zu haben, sowohl vor bergigen Kulissen, als auch in Großstädten sowie kleinen, charmanten Dörfchen zu shooten, ist ein absoluter Gewinn. All diese Faktoren liefern mir Möglichkeiten, die anderswo undenkbar wären.

Woraus besteht deine Arbeitsausrüstung?

Meine aktuelle Ausrüstung ist natürlich gewachsen, seit ich mich mit Stockfotografie beschäftige. Angefangen habe ich mit einer Nikon D610, einem 24-70 mm Tamron Objektiv mit einer 2.8f VC Linse und zwei Handblitzgeräten mit einer Reihe von Auslösern. Nach und nach ist meine Ausrüstung dann gewachsen. Erst kürzlich habe ich mir eine Nikon D750 zugelegt. Darüber hinaus habe ich verschiedene Geräte, die mir bei der Produktion behilflich sind, wie LEDs, farbige Fotohintergründe, Reflektoren und so weiter.


Was würdest du jemandem raten, der gerade versucht, seine Arbeiten auf Stockportalen anzubieten?

Ich finde, dass Konsistenz eine wichtige Rolle im Stockbusiness spielt. Fest an die eigene Arbeit zu glauben und konstant qualitativ-hochwertigen Content zu produzieren ist eines der Erfolgsgeheimnisse, um eine ernstzunehmende Anzahl an Verkäufen zu generieren.

Wenn man, wie das auch bei mir der Fall ist, nicht die Ressourcen hat, um mit professionellen Models zu arbeiten oder Räumlichkeiten anzumieten, ist es umso wichtiger, Leute um sich zu haben, die dir helfen und auch mal Modell stehen oder dir Shooting-Räume zur Verfügung stellen. Wenn ich diese Freunde nicht gehabt hätte, hätte ich es sicher nie geschafft, denn schließlich beinhalten etwa fünfzig Prozent meiner Aufnahmen Models. Ich bin allen, die mich auf diesem Weg unterstützt haben, extrem dankbar.

Zusätzlich ist es extrem wichtig, sich die nötige Begeisterung zu erhalten. Stockfotografie ist eine Geduldsprobe: Die Konkurrenz ist groß, deshalb vertraue in dein Können, brenne für jede Produktion, die du machst und bleib am Ball, um schließlich aus deinen Erfahrungen zu lernen und daran zu wachsen.

Auf welche Projekte freust du dich 2017 ganz besonders?

Ohne Frage ist 2017 für mich ein Jahr der Veränderungen. Ich plane mit neuen Models an neuen Standorten zu arbeiten und jede Woche zwei bis drei Produktionen umzusetzen. Ich plane sogar ab Mitte des Jahres in die Videoproduktion einzusteigen.

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