All the gear and no idea? Die Fotografie ist fast 200 Jahre alt, und in dieser Zeit haben Hersteller immer neue Kameras, Objektive und Zubehör hergestellt, um den Prozess zu vereinfachen. Es gibt eine riesige Auswahl innerhalb einer großen Bandbreite von Marken, und jeder Fotograf verwendet ein anderes Set-up.

Gerade für Anfänger ist es oft schwer zu entscheiden, was man eigentlich wirklich braucht. Auf den ersten Blick sieht es aus, als müsste man ein Vermögen für erstklassige Kameragehäuse, Objekte und Blitzgeräte ausgeben, aber zum Glück gelingen auch mit einer einfachen Auswahl sehr gute Fotos.

Wer sich auf Wildnis- oder Sportaufnahmen spezialisiert, wird früher oder später auch spezielles Equipment benötigen, aber für die meisten Genres braucht man erstaunlich wenig. Eine Kamera mit einem Normalobjektiv deckt bereits fast alles ab und ist gerade für den Anfang mehr als genug.

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Die Kamera

Manche Fotografen arbeiten bewusst analog, aber wer sich das Leben erleichtern will, beginnt mit einer Digitalkamera. Man braucht nicht zwingend eine digitale Spiegelreflexkamera, da die modernen Kompaktkamerasysteme für die meisten Situationen ebenso gut geeignet sind. Mehr Pixel sind prinzipiell eine gute Sache, aber es ist fast unmöglich, heutzutage eine neue spiegellose Kamera mit Wechselobjektiv zu kaufen, die keine ausreichende Auflösung für gut verkäufliche Bilder bietet. Wer kann, entscheidet sich für eine kompakte Systemkamera (CSC) mit 16 Mio. Pixel oder eine digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) mit 18 Mio. Pixel oder mehr.

Sowohl DSLRs als auch CSCs sind für fast jede Sparte in der Fotografie geeignet, aber grundsätzlich eignen sich DSLRs etwas besser für schnelle Bewegungen – wie beim Sport –, und die Größe der CSCs macht sie zu einer sehr guten Wahl, wenn man Menschen fotografiert. Das Gewicht der Kompaktkamera macht es einem Fotografen außerdem leicht, sie den ganzen Tag herumzutragen.

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Das Objektiv

Eine ganze Zeit lang haben Fotografen immer nur zwei oder drei Brennweiten benutzt – ein Weitwinkelobjektiv, ein Normalobjektiv und ein kleines Teleobjektiv. Heute haben wir eine riesige Auswahl, was aber nicht bedeutet, dass wir sie alle brauchen. Mit einer einzigen Festbrennweite im Normalbereich könnt ihr eine große Bandbreite von Motiven aufnehmen, immer aus der Perspektive eines Betrachters, der genau dort steht, wo alles passiert.

Die Brennweite des Normalobjektivs hängt von der Größe eures Kamerasensors ab. Bei Vollformatsensoren liegt sie bei 50 mm, bei APS-C-Sensoren bei 30 mm und bei Four-Thirds-Sensoren bei 25 mm. Mit diesem Objektiv könnt ihr fast alles fotografieren – von Portraits und Dokumentationen über Straßenfotografie bis zu Architektur. Das Objektiv erzeugt Aufnahmen, die dem entsprechen, worauf sich unser Auge konzentriert, daher wirken die Bilder realistisch und geben dem Betrachter das Gefühl, sich unmittelbar in der Szene zu befinden.

Viele Fotografen bevorzugen Zoomobjektive gegenüber Festbrennweiten, weil sie damit zusätzliche Möglichkeiten haben, ohne das Objektiv zu wechseln. Für Vollformatsensoren ist ein 24-70-mm-Objektiv die Allzweckwaffe, die vom Panorama bis zum Portrait alles abdeckt. Bei APS-C-Sensoren leistet ein 18-55-mm-Objektiv das Gleiche, Four-Thirds-Sensoren benötigen ein 12-35-mm-Objektiv. Wenn ihr den Kauf eines solchen Objektivs plant, investiert am besten so viel, wie ihr könnt, und achtet auf ein Fabrikat mit konstanter Offenblende, etwa f/2.8 oder f/4. Wenn diese Modelle außerhalb eurer Preisspanne liegen, ist das nicht schlimm; Fabrikate mit maximalen Blenden von zwischen f/3.5 und f/5.6 sind ebenfalls gut, nur nicht ganz so flexibel. Es ist fantastisch, wie viele verschiedene Motive ihr mit einem solchen Objekt fotografieren könnt.

Breathtaking sunset over the sea at Phromthep Cape, Phuket province ,Thailand

Der Blitz

Nicht jeder Fotograf braucht ein Blitzgerät, aber die Einsatzmöglichkeiten sind größer als ihr vielleicht denkt. Ihr braucht für den Anfang kein Powergerät, aber eins mit TTL-Blitzmessung wird euch das Leben erleichtern. Natürlich bietet jeder Kamerahersteller kompatible Blitzgeräte für seine Systeme an, aber es gibt auch unabhängige Hersteller, die sehr gute Geräte zu häufig niedrigeren Preisen anbieten. Ein Fernauslöser ist sinnvoll, um interessantere Lichtsituationen erstellen zu können, wobei Funkauslöser effektiver sind als die traditionellen optischen Systeme.

Falls euer Budget gering ist: Jedes Blitzgerät erfüllt seinen Zweck, solange sich in irgendeiner Weise der Output kontrollieren lässt. Blitze mit Blendenpriorität sind komfortabler als komplett manuelle Geräte und funktionieren auch ziemlich gut. Achtet auf eine Leitzahl von etwa 30 m bei ISO 100.

Young people enjoying new years eve with fireworks

Weniger ist wirklich mehr

Es klingt so simpel, wenn man sagt, dass eine Kamera, ein Objektiv und ein Blitz alles ist, was man für den Anfang benötigt, aber es ist wahr. Natürlich gibt es aus gutem Grund viele weitere Objektive, aber es gibt keinen Grund, eines davon zu kaufen, solange ihr kein Problem habt, das nur ein neues Objektiv löst. Wenn ihr euer Motiv nicht aufs Bild bekommt und auch nicht weiter zurückgehen könnt, braucht ihr ein Weitwinkelobjektiv, und wenn ihr nicht nah genug herankommt, ein Teleobjektiv – aber oft lassen sich solche Probleme auch lösen, indem ihr die Komposition eures Bildes überdenkt oder den Standpunkt ändert.

Wenn ihr noch lernt, ist es viel besser, eine begrenzte Auswahl an Equipment zu nutzen und dann das Meiste durch harte Arbeit herauszuholen – jedenfalls besser, als euch selbst leid zu tun, weil ihr irgendetwas nicht habt. Ihr werdet zu besseren Fotografen, wenn ihr euch angewöhnt, mit begrenzter Ausrüstung kreativ zu werden. Denkt daran, die besten Bilder entstehen in eurem Kopf. Die Kamera ist nur ein Werkzeug, um die Arbeit zu machen. Mit der Zeit kann auch eure Ausrüstung anwachsen, aber das, was ihr habt, auch richtig anzuwenden, ist viel wichtiger.