Wir kennen sie, wir lieben sie: Wenn Lasse Behnke alias lassedesignen zu seinen Adobe Photoshop CC Tutorials bittet, ist die Lernkurve steil und der Spaß garantiert. Jüngst hat der sympathische Bremer im Photoshop-Sonderheft des DigitalPHOTO-Magazins gezeigt, wie dynamische Composings mit starken Licht- und Farbeffekte gehen – und wir freuen uns sehr, der Fotolia by Adobe Community das Resultat präsentieren zu dürfen. Du hast das Wort, Lasse!

Das Bild stellt einen Konsolenspieler dar, der gerade voll im Spielgeschehen steckt. Bevor es mit der Bearbeitung losgeht, möchte ich ein paar Dinge zum fotografischen Part sagen. Denn die Fotografie ist bei diesem Bild die Grundlage für den späteren Bildlook. Bei der Aufnahme habe ich drei Blitze verwendet, davon zwei mit Farbaufsätzen, um die farbigen Streiflichter zu erzeugen. Auch die Brennweite von 15 mm, die ich an der Kamera gewählt habe, trägt zum Look des Bildes bei, da sie alles leicht verzerrt darstellt, wodurch die lustigen Proportionen zustandekommen. Lange Rede, kurzer Sinn: Achtet schon bei der Fotografie auf eine interessante Lichtsituation und eine passende Brennweite, dann fällt die Bearbeitung um einiges leichter aus.

1. Erstellen des Dokuments und des Hintergrunds

Legt eine neue Datei der Größe 3600 x 2400 px an. Erzeugt mit einem Klick auf das Ebenensymbol innerhalb der Ebenen-Palette eine neue Ebene und füllt diese mit Hilfe des Füll-Werkzeugs mit dunkelblauer Farbe (#0a1523). Erstellt dann oberhalb eine weitere Ebene, wählt den Pinsel, und stellt über einen Rechtsklick im Bild die Größe (4000 px) und die Härte (0 %) ein. Wählt einen hellblauen Farbton (#55c9ff), reduziert die Pinseldeckkraft auf 40 % und klickt mittig ins Bild, um einen weichen, runden Farbverlauf von hellblau in der Mitte zu dunkelblau am Rand zu erzeugen.

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2. Person einsetzen

Zieht die Datei Lasse.JPG per Drag-and-Drop in eure geöffnete Photoshop-Datei und platziert sie mittig im Dokument. Stellt die Person, inklusive der sichtbaren Teile des Stuhls, frei. Erstellt dafür eine Ebenenmaske mit einem Klick auf das Ebenenmaskensymbol innerhalb der Ebenen-Palette. Wählt den Pinsel mit schwarzer Farbe, harter Kante (100 %), und maskiert die Bereiche um die Person. Versucht dabei möglichst sorgfältig zu arbeiten, bis ihr bei den Haaren ankommt. Diese könnt ihr vorerst relativ grob maskieren.

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3. Das Model vom Hintergrund freistellen

Um die Ebenenmaske zu verfeinern, bin ich ein Fan des Dialogs „Maske verbessern“. Dieser ist in der aktuellen Version von Photoshop CC durch den Dialog „Auswählen und maskieren“ ersetzt worden, aber durch einen kleinen Trick weiterhin erreichbar (siehe Tipp Maske verbessern). Im Dialog wählt ihr eine weiche Kante von 0,7 px und malt mit dem „Radius verbessern“-Werkzeug mit einer Größe von 50 px über den Bereich der Haarspitzen. Danach bestätigt ihr mit „OK“.

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Tipp: Maske verbessern

Den alten „Maske verbessern“-Dialog, der in der aktuellen Photoshop-Version durch „Auswählen und maskieren“ ersetzt wurde, erreicht ihr wie folgt: Wählt die Ebenenmaske per Mausklick an und geht in der Optionsleiste auf „Auswahl“. Klickt dann bei gedrückter Umschalt-Taste auf „Auswählen und maskieren“. Hiermit erzielt ihr meiner Meinung nach bessere Ergebnisse, wenn es um das Herausarbeiten von Haaren geht.

4. Dodge & Burn

Erstellt eine neue Ebene und füllt diese mit neutralem Grau (#7f7f7f). Setzt danach die Füllmethode auf „Ineinanderkopieren“ und erzeugt eine Schnittmaske zur Ebene Lasse. Dafür bewegt ihr den Cursor eurer Maus bei gedrückter Alt-Taste zwischen die Ebenen und klickt, sobald das Schnittmaskensymbol erscheint. Nun fangt ihr an, mit einem weißen, weichen Pinsel bei 0 % Härte gezielt Bildbereiche aufzuhellen und mit einem schwarzen Pinsel andere Bildbereiche abzudunkeln. Variiert je nach Einsatzgebiet die Pinselgröße. Für diesen Schritt ist ein Stifttablet definitiv hilfreich.

4_D&B

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Tipp: Dodge & Burn

Arbeitet immer mit einer geringen Deckkraft bzw. einem geringen Fluss (< 10 %), um möglichst große Kontrolle über eure Arbeit zu haben. Faustformel: Bereiche, die hell sind, werden heller gemacht, und Bereiche, die dunkel sind, werden weiter abgedunkelt. Dadurch erhöht sich der lokale Kontrast. Alles, was ihr aufhellt, wird in den Vordergrund treten, und mit allem, was ihr abdunkelt, wird das Gegenteil passieren. Hellt z. B. den höher liegenden Bereich einer Falte auf, die tief liegende Furche dunkelt ihr ab.

5. Hellen Saum an den Haaren entfernen

Nachdem wir die Haare mit dem „Maske verbessern“-Dialog bereits gut freigestellt haben, bleibt immer noch ein heller Saum um die Spitzen zurück. Um diesen zu eliminieren, erstellt ihr eine weitere Ebene mit der Füllmethode „Multiplizieren an oberste Stelle“ und generiert eine Schnittmaske mit den Ebenen darunter. Wählt den Pinsel mit weicher Kante, einer Größe von ca. 90 px und einer Deckkraft von 20–40 %. Nun nehmt ihr mit der Pipette (Alt-Taste während das Pinsel-Werkzeug gewählt ist) Farbe aus dem Haar auf und pinselt diese über den Saum, bis er verschwindet. Nehmt immer wieder Farbe in der Nähe der Stelle auf, an der ihr gerade arbeitet. Experimentiert danach mit der Ebenendeckkraft, um ein optimales Ergebnis zu erhalten.

5_Vorher

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6. Haare malen

Um die Frisur zu perfektionieren, malt ihr nun noch ein paar Haare ins Bild. Erstellt dazu zwei neue Ebenen an oberster Stelle der Ebenen-Palette: die erste Ebene mit der Füllmethode „Normal“ und die zweite mit der Füllmethode „Negativ multiplizieren“. Nutzer mit einem Stifttablet: Wählt den Pinsel (Größe 2 px, Härte 0 %, Deckkraft 60 %), und aktiviert die Option zur Pinselgrößensteuerung über den Stiftdruck (2. Button rechts neben Deckkraft und Fluss). Nutzer mit einer Maus: Wählt den Pinsel (Größe 2 px, Härte 0 %, Deckkraft 60 %), geht in die Pinseleinstellungen (Ordnersymbol mit Pinseln links neben Deckkraft und Fluss) und dort in die Formeigenschaften. Wählt im Drop-down-Menü unter dem Größen-Jitter den Punkt „Verblassen“. Stellt rechts daneben einen Wert von ca. 160 ein, und achtet auf die Vorschau des Pinselstrichs. Passt den Wert gegebenenfalls an, während ihr arbeitet. Alle Nutzer: Nehmt wieder Farbe mit der Pipette (Alt-Taste) aus den Haaren auf, in der Nähe der Stelle, an der ihr arbeiten möchtet, und fangt an, Haare auf der ersten der neu erstellten Ebenen zu malen. Die neuen Haare malt ihr über die Haarspitzen. Genau so verfahrt ihr auf der zweiten Ebene: Durch den Ebenenmodus „Negativ multiplizieren“ werden alle Haare, die ihr auf dieser Ebene malt, sehr viel heller und „beleuchtet“ aussehen.

6_Maus_Einstellungen

6_Vorher

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7. Malen mit Licht

Markiert zuerst alle Ebenen, die zur Person gehören, und drückt Strg+G, um diese zu gruppieren. Erstellt oberhalb der Gruppe eine neue Ebene (Füllmethode: „Farbig abwedeln“), füllt diese mit schwarzer Farbe, und verankert sie per Schnittmaske über und an der Gruppe. Die schwarze Farbe sollte nun nicht mehr sichtbar sein. Malt mit einem weichen Pinsel auf der Ebene, um bestimmte Bereiche aufzuhellen und aussehen zu lassen, als wären sie vom Licht angestrahlt, denn hier wollen wir die farbigen Streiflichter, die schon während des Fotografierens gesetzt wurden, verstärken. Ihr nehmt also für die linke Seite eine orange Farbe (#f7941d) und für die rechte Seite eine blaue Farbe (#30abef).

7_Farbig_abwedeln

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8. Controller einschalten

Erstellt eine neue Ebene an oberster Stelle innerhalb der Gruppe, die ihr im letzten Schritt erstellt habt. Wählt den hellen Bereich der Aktivitäts-LED des Controllers mit dem Polygonlasso aus (in der Optionsleiste Weiche Kante: 1 px) und füllt diesen mit einem hellen Gelbton (#ffea9d). Wechselt dann zu den Ebenenstilen (Doppelklick auf die Ebene) und fügt einen Schein nach innen und einen Schein nach außen hinzu. Übernehmt die Einstellungen wie in den beiden Screenshots zu sehen.

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8_Schein_nach_innen

8_Schein_nach_außen

9. Rauchtextur einfügen

Zieht das Bild Rauchtextur.jpg per Drag-and-Drop in euer Dokument und platziert die Ebene unter der Gruppe und über dem Aufheller für den Hintergrund. Skaliert (Strg+T) die Textur auf die Größe des Dokuments, setzt die Füllmethode der Rauchtextur auf „Negativ multiplizieren“ und reduziert die Deckkraft der Ebene auf 60 %.

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10. Lichteffekte einbauen

Zieht die Datei Lichteffekt.jpg per Drag-and-Drop in eure geöffnete Photoshop-Datei, und platziert sie an oberster Stelle in der Ebenen-Palette (Füllmethode: „Negativ multiplizieren“). Skaliert, verschiebt und dreht (Strg+T) den Lichteffekt nun ungefähr so wie im Bild zu sehen. Erstellt eine neue Ebene über der Lichteffekt-Ebene (Füllmethode: „Farbe“) und verankert die neue Ebene per Schnittmaske an der Lichteffekt-Ebene. Nehmt einen großen, weichen Pinsel mit blauer Farbe (#6cd7ff) für die rechte Seite, orangener Farbe (#f7941d) für die linke Seite, und färbt die Lichteffekte ein, indem ihr auf der neu erstellten Ebene malt. Erstellt danach oberhalb eine Einstellungsebene Tonwertkorrektur, inklusive Schnittmaske mit den Werten 25, 1,00 und 229.

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11. Kontrast-Boost

Um den Kontrast weiter zu verstärken, erstellt an oberster Stelle der Ebenen-Palette eine neue Einstellungsebene Tonwertkorrektur mit den Werten 0, 1,22 und 255. Ändert die Füllmethode zu „Weiches Licht“.

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11_Tonwertkorrektur

12. Farblook und Farbkorrekturen

Im finalen Bildbearbeitungsschritt erstellt ihr an oberster Stelle der Ebenen-Palette eine neue Einstellungsebene Selektive Farbkorrektur. Die Einstellungen könnt ihr den jeweiligen Screenshots entnehmen.

12_Selektive_Farbkorrektur_Cyan

12_Selektive_Farbkorrektur_Gelb

12_Selektive_Farbkorrektur_Grautoene

12_Selektive_Farbkorrektur_Schwarz

Aufmacher-Gamer_finish

Vielen Dank an Lasse Behnke und die DigitalPHOTO für dieses großartige Tutorial!