Erstaunlicherweise stelle ich oft fest, dass etliche Designer das Erstellen eines Schattens nur auf einem relativ niedrigen Niveau behandeln. Ein Schatten umfasst aber eine Vielzahl von Formen, Farben und Abstufungen, die es zu beachten gilt, wenn das Ergebnis realistisch aussehen soll.

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Zuerst müssen wir einige Festlegungen treffen. Zum Beispiel: “Das Licht kommt von links und der Boden besteht aus weißem Material.”

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Nehmen wir an, dass der Lichteinfallswinkel etwa 45 Grad beträgt und die Lichtquelle sich links oben befindet. Der Schatten fällt dann logischerweise nach rechts. Wir zeichnen also ein graues Oval, wobei der Blickwinkel durch die Form des Ovals bestimmt wird.

Wenn sich die Höhe des Ovals vergrößert, verschiebt sich eure Sichtlinie nach oben und wenn sie sich verkleinert, verschiebt sich die Sichtlinie nach unten (näher zum Boden).

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Was viele Designer nun machen, ist das Oval lediglich weichzuzeichnen und es dabei zu belassen. Ein Schatten ist aber viel komplexer aufgebaut und kann nicht so simpel erstellt werden.

Es gibt verschiedene Methoden, um naturgetreue Schatten nachzubauen. Probieren wir zuerst meine Methode aus.

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Zuerst wende ich auf den im Vorfeld erstellten und weichgezeichneten Schatten zusätzlich “Bewegungsunschärfe” an. Ihr könnt den Unterschied der Schattendichte mithilfe von Filter → Weichzeichnungsfilter → Bewegungsunschärfe verringern (die Eigenschaft, in der der Schatten in der Nähe des Fußballs dunkler und an den weiter entfernten Stellen heller wird.)

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Teil “1” des Schattens, der dem Fußball am nächsten ist, ist der dunkelste. Die Dichte des Schattens wird mit der Entfernung unschärfer, wie in Teil “2” ersichtlich.

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Ihr könnt klar erkennen, dass der Schatten auf der rechten Seite natürlicher wirkt als der auf der linken. Man sieht außerdem, dass die rechte Szene räumlicher und realer wirkt. Der Grund dafür ist, dass wir unbewusst denjenigen Schatten als real akzeptieren, dessen Form den Charakteristika der Natur entspricht.

Dies ist noch nicht der letzte Schritt. Ihr dürft die verschiedenen Merkmale eines Schattens nicht auf die leichte Schulter nehmen – ich meine, er lässt noch einiges zu wünschen übrig.

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Wie oben gezeigt, werdet ihr feststellen, dass die Gestalt des gesamten Schattens plastischer wird, wenn ein Schatten an der Stelle hinzugefügt wird, wo er den Fußball berührt.

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Tatsächlich kollidiert das Licht mit dem Gegenstand und wird in viele Richtungen reflektiert. Im Ergebnis entstehen reflektiertes Licht (wie in “1” ersichtlich) und winzige Schatten (wie in “2” zu sehen). Allerdings wird “2” in vielen grafischen Arbeiten einfach ausgelassen.

Wir nähern uns der Endphase! Dazu fügen wir dem Gegenstand Kontrast hinzu. Wenn ihr den Schatten bis zu einem gewissen Grad abgeschlossen habt, könnt ihr das Gesamtbild abrunden, indem ihr dem Gegenstand zusätzlichen Kontrast verleiht.

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Voilà!

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Der Fußball sieht nun plastischer aus und wirkt realistischer.

Der Schatten verändert sich wie ein Chamäleon je nach der Umgebung.

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Wenn der Ball und sein Schatten auf den unterschiedlichen Hintergründen grau wirkt, kann man mit Sicherheit sagen, dass ihr den Schatten nicht richtig angelegt habt. Die Farben eines Schattens variieren entsprechend der Umgebung. Die Farben eines Schattens, extrahiert aus dem linken und rechten Bild, sehen folgendermaßen aus:

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Verabschiedet euch also bitte von dem Gedanken, dass ein Schatten nur schwarz oder grau erscheint.

Er kann auf folgende Weise angewendet werden:

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Diese Shampoo-Flasche wird auf die gleiche Weise erstellt wie der Schatten des Fußballs. Indem der Eindruck erzeugt wird, dass der untere Teil des Produkts beleuchtet ist, wirkt es, als bestünde der Boden aus Glas oder einem reflektierenden Material.

Wir danken 5bro (Ohhyung KWON) für dieses Tutorial!

5bro (Ohhyong KWON) arbeitet als Designer für Digital Dime in Seoul. Er verfasst eine große Bandbreite von Artikeln zum Thema Webdesign und unterrichtet angehende Designer in verschiedenen Themengebieten.