Eine Rückbesinnung auf die Natur, eine Lebensweise, die sich auf das Wesentliche konzentriert, die unglaublichen Farben des Indian Summers – all das hat unser Disconnect Team auf ihrer Reise nach Kanada erlebt. Hier erzählen sie uns ihre Geschichte.

Tony Legrand (Art Director), Pavlé Savic (Regisseur) und Axel Guenoun (Sound Designer) haben Arnaud Montagard begleitet, einen der einflussreichsten französischen Fotografen 2016, der sich auf Portrait und Street Photography spezialisiert hat. Da er sich eher mit urbanen Gegenden beschäftigt, war Projekt #Disconnect für ihn eine neue fotografische Herausforderung.

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Es war einmal …

Eine Freundin hatte uns von ihrem Onkel erzählt, einem Mann im Alter von etwa fünfzig Jahren, der in einem großen Energieunternehmen arbeitet und die Gewohnheit hat, sich in seine Hütte im Herzen des Waldes zurückzuziehen und dort abzuschalten. So entflieht er seinem stressigen Alltag und lebt mehrere Wochen in kompletter Autarkie.

Er ist sehr respektvoll der Natur gegenüber und hat nicht viel für die Lebensmittelindustrie übrig, daher isst er nur Fleisch von Tieren, die er während seiner einsamen Zeit jagt und erlegt. Wenn er kein Tier erwischt, isst er ganz einfach kein Fleisch.

In Kanada, genauso wie in anderen Ländern, wird die Jagd als notwendig angesehen, damit Gleichgewicht im Ökosystem herrscht. Sie ist natürlich sehr stark reguliert und wird nur unter Einhaltung des größtmöglichen Respekts gegenüber der Natur und den Tieren ausgeübt. Dies ist weit vom schlechten Image des modernen Jägers entfernt.

In seinem Vorhaben geht Pierre so weit, dass er nur mit dem Bogen oder der Armbrust jagt! Die mit dieser Form des Jagens verbundene Stille hat auch einen „vorgeschichtlichen” Aspekt, weil dadurch die totale Einheit mit dem Wald gefördert wird. Die Reglementierung ist strikt: Während einer Elchjagd hat der Jäger das Recht, nur ein Exemplar pro Jahr zu erlegen. Der Elch ist ein riesiges Tier und gibt während dieser Zeit ausreichend Nahrung. Eine gesunde Alternative, die auf Selbstversorgung aufbaut.

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Indian Summer

Die Jahreszeit unserer Reise wurde nicht zufällig ausgewählt; wir wollten die Farben des Waldes während des Indian Summers in Kanada einfangen. Das Mindeste, was wir sagen können ist, dass wir nicht enttäuscht wurden. Wir hatten sehr viel Glück, weil wir während der zwei magischsten Wochen des Jahres angereist sind, in denen die Farben der Bäume ihren Höhepunkt erreichen, kurz bevor die Blätter fallen. Herbstliche Farbtöne soweit das Auge reicht! Die Palette reicht von lebendigem Rot, pastellfarbenem Orange, klarem Gelb bis hin zu dunklem Grün …

Normalerweise findet dieses Spektakel eher Anfang September statt, aber die milden Temperaturen hielten sich lange und haben den Prozess verzögert, und zwar zu unserer größten Freude. Während des Tages war es in der Nähe von Montreal bis zu 25 Grad warm.

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Die Hütte

Wir hatten vorher keinen Kontakt zu Pierre und kommunizierten einfach mit einer Freundin von mir (seiner Nichte), die uns zwar das Wesentliche mitteilte, aber selbst nicht wusste, was uns erwarten würde. Sie wusste nur, dass wir ihren Onkel in einer Holzhütte treffen würden, wo es mit Sicherheit keinen Strom, kein Wasser zum Waschen und vielleicht auch kein Bett geben würde. Im Großen und Ganzen muss man auf einen „Survival-Trip” vorbereitet sein, wenn man dort anreist. Da wir vorher die Mongolei bereist hatten, waren wir dazu bereit.

Vor Ort gab es jedoch mehr Komfort als wir erwartet hatten. Klar, die Bedingungen waren rustikal, aber es gab sowohl Strom als auch echte Betten. Aus einer größeren Distanz sah es sogar wie ein großes, traditionelles Haus aus. Man konnte kaum von einer „Hütte” sprechen, allerdings waren wir schon im Wald isoliert.

Wie schon während unserer Philippinen-Reise haben wir schnell festgestellt, dass so ein radikaler Umgebungswechsel, also die Abwesenheit von Komfort und modernen Dingen eigentliche eine überkommene Vorstellung ist. Es sieht in Wirklichkeit nicht ganz so aus. Während der Tage, die wir vor Ort verbracht haben, konnten wir vielmehr in dieser Hinsicht abschalten, dass wir einzigartige Momente mit Pierre und Brad, seinem Freund aus der Kindheit teilten, der zusammen mit ihm diesen Ausflug seit mehreren Jahren regelmäßig unternimmt.

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Die Stille

Wir sind es gewohnt, ständig irgendetwas zu machen, und deswegen fällt uns das Nichtstun schwer. Warten, nachdenken … Das dauert vielleicht fünf Minuten, und wenn sich nichts verändert, langweilen wir uns schnell. Wir leben praktisch die ganze Zeit von Lärm und irgendwelchen Aktivitäten umgeben. Das ist eigentlich blöd, aber wir sind uns dessen nicht mehr bewusst.

Dank diesem Erlebnis haben wir die wahre Stille entdeckt, die Stille des Waldes. Der „Städtehipster” (das klingt etwas wie aus einer Fabel von La Fontaine) entdeckt eine neue Welt und kehrt zu sich selbst zurück …

Natürlich spazieren wir auch sonst durch entfernte Ecken, die ruhig und still sind, aber meistens sind wir in Begleitung. Und wir reden dabei viel. Und wenn wir mal alleine sein sollten, hören wir den Verkehr oder andere Leute, die Spaziergänge machen … All diese Geräusche der Zivilisation erhalten die Verbindung zur Stadt aufrecht. In diesem Wald, der so weit von der Stadt entfernt liegt, haben wir während der stundenlangen Jagd nicht geredet und waren wirklich abgetrennt von allem. Und genau dort haben wir festgestellt, dass die Stille des Waldes zahllose Geräusche birgt.

Als Pierre uns um 6:00 Uhr morgens ankündigte, dass wir einen halben Tag im Wald verbringen würden, ohne einen Laut von uns zu geben, haben wir befürchtet, dass wir uns langweilen würden. Aber schließlich haben wir daran Gefallen gefunden. Manchmal rührten wir uns bis zu fünf Stunden lang nicht und nichts geschah. Sehr widersprüchliche Emotionen kamen hoch. Die absolute Stille mischte sich mit dem Gefühl der Anspannung, dass wir ein großes Tier wie einen Elch treffen würden.

Wir legten große Strecken in einem Wald zurück, der uns surreal schien. Die Geräusche, die Gerüche, die Texturen, das unterschiedliche Licht – all das half uns bei unserer Suche. Nachdem wir diese Momente erlebt hatten, begannen wir das Interesse von Pierre und Brad für die Jagd besser zu verstehen. Wenn man sich alleine oder in Begleitung in einer solchen Stille wiederfindet, bringt das eine Kommunikation hervor, die nicht auf Worten beruht und man empfindet eine Art Entspannung, die wir niemals erlebt haben und die der Meditation nahekommt.

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Die Jagd

Ein Tier zu töten ist niemals angenehm, und nachdem wir auf den Philippinen mit Permakultur und Selbstversorgung experimentiert haben, ist es uns in Bezug auf Ethik und Vernunft wichtig, nur das zu essen, was wir wirklich brauchen. Aber Pierre und Brad sind echte Naturliebhaber. Für sie ist der Respekt für die Natur essentiell, damit die Umwelt erhalten bleibt und die Fauna sich selbst regulieren und auf diese Weise entwickeln kann. In diesem Sinne jagen sie weder Weibchen noch junge Tiere, sondern nur großgewachsene männliche Exemplare.

Manchmal ist es sogar so, dass sie ein Tier wenige Meter vor sich sehen und nicht sicher sind, ob sie es töten sollten. In diesem Fall lassen sie es lieber entkommen. In Anbetracht der geringen Wahrscheinlichkeit, überhaupt auf ein Tier zu treffen, zeugt diese Vorgehensweise von ihrem Respekt vor der Natur.

Während unseres Aufenthalts konnten wir einige Elche sehen, aber sie haben sich uns nicht aus der Nähe gezeigt. In einem Team, wo der Fotograf sich mit Kölnischwasser parfümiert (#privatejoke) und andere Leute beigefarbene Jacken tragen, waren wir nicht gerade für die Jagd bestimmt.

Nach einigen Tagen, die wir mit Pierre und Brad verbracht haben, sind wir uns bewusst geworden, dass die Jagd nur ein Scheingrund war, um all dies zu spüren. „Das Ziel ist nicht nur das Ziel, sondern auch der Weg, der dorthin führt.” (Laotse)

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Holt euch ein Stück des Abenteuers: drei Fotos und ein Video gratis

Am 24. November veröffentlichen wir die fantastischen Fotos von Arnaud Montagard und die einzigartigen Videos von Pavlé Savic, die auf der Reise nach Quebec entstanden sind.

Am Tag des Releases stellen wir euch exklusiv drei Fotos und ein Video zum Gratisdownload zur Verfügung – hier im Fotolia by Adobe Blog.

Die vorangegangen Serien von Sonia Szostak, Brice Portolano, Théo Gosselin und Max Muench sind natürlich weiterhin auf der Fotolia Website erhältlich.