Die vierte Episode der Disconnect Saga lädt euch auf eine Entdeckungsreise in die faszinierende Welt der Mongolei ein – durch die Augen des talentierten deutschen Fotografen Max Muench.

Die abenteuerliche Reise nach Osten weckt bei uns Daheimgebliebenen unweigerlich die Frage, ob ein anderer Lebensentwurf möglich ist: Max Muench hat sich in Begleitung von Tony Legrand (Art Director), Pavlé Savic (Regisseur) und Axel Guenoun (Sound Designer) für Fotolia by Adobe auf den Weg gemacht, um eine neue Sicht auf unseren Lebensstil zu finden. Aber hört selbst, was das Disconnect Team zu berichten hat.

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Die Ankunft

Schon als wir die Hauptstadt Ulaanbaatar überflogen, bekamen wir einen ersten Eindruck von der langen Geschichte und der reichen Kultur der Mongolei: Das Land zwischen Russland und China stellte auf dem Höhepunkt seiner Macht das größte zusammenhängende Reich der Geschichte dar.

Heute wirkt das Land mit den endlosen Steppen wie verloren zwischen Tradition und Moderne. Auf einer Fläche viereinhalb Mal so groß wie Deutschland leben nur knapp drei Millionen Menschen – mehr als 40 % davon in der Hauptstadt, ein weiterer großer Teil nomadisch.

Die Familie, bei der wir eine Woche lang gelebt haben, hat sich für die Steppen entschieden. Wir haben über 30 Stunden gebraucht, um sie in einer der entlegendsten Gegenden der Mongolei zu erreichen. Bei unserer Ankunft wurden wir herzlich mit ein paar Gläsern Wodka empfangen: drei aus Tradition, drei weitere, um unsere Körper und Seelen zu befreien und weitere drei einfach so. Dieses Ritual wärmt den Körper und löst die Zungen. Wir konnten nicht ablehnen – das hätte unsere Gastgeber beleidigt.

Der erste Schritt aus der Jurte am frühen Morgen machte uns sprachlos. Langsam löste sich der Nebel auf und die Natur erwachte. Zula, im T-Shirt auf seinem Motorrad – trotz der Temperaturen unter null Grad – hatte schon seit dem Morgengrauen gearbeitet.

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Geld bedeutet nichts

Gut und Geld macht hier keinen Reichtum aus, es sind vielmehr die geerbten oder eingetauschten Tiere. Ziegen, Yaks, Kühe – diese Tiere bedeuten den Nomaden alles. Sie wärmen sich mit ihrem Fell, trinken ihre Milch und essen ihr Fleisch, und sie reiten auf Pferden und Kamelen. Jeder trägt mit seiner Arbeit zur Familie bei. Die Jungen hüten die Tiere, die Alten melken sie.

Käse, fermentierte Milch, Fett, Ziegenmilch – das Wissen darum wird von Generation zu Generation tradiert. Die Familien machen das Meiste aus dem, was die Tiere ihnen bieten, und überleben so unter extrem schweren Bedingungen. Sie respektieren die Umwelt, die ihnen gerade das Nötigste zur Verfügung stellt: Das bedeutet auch, die Gewässer nicht zu verschmutzen und die Wälder nicht zu roden. Sie verstehen die Natur, die sie umgibt.

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Eine unvergessliche Zeit

Viele Menschen denken, dass die Nomaden der Mongolei vor Technik und Moderne flüchten. Wir haben festgestellt, dass das ein Irrtum ist. Trotz ihres traditionellen und sehr einfachen Lebensstils verfügen sie durchaus über einige moderne Einrichtungen: zum Beispiel ein Solarpanel, mit dem sie Batterien aufladen, um nachts die Jurte zu beleuchten, ein Notfalltelefon, das wie die einzige Verbindung zum Rest der Welt wirkt, sowjetische Motorräder, die auch bei Nacht ohne Licht gefahren werden, und einen Kleintransporter, mit dem sie Holz und Heu transportieren.

Die Mischung aus Tradition und Moderne ist nicht ohne Reiz: Der Moment, als Zula einen frisch abgeschlagenen Ziegenkopf in unsere Jurte brachte, der uns (zwischen Kannen fermentierter Milch und trocknenden Ziegenmägen) Glück bringen sollte, ist unvergesslich. Die Verbindungen zwischen der Familie und dem Rest der Welt zeigen sich auch einmal im Monat, wenn Zulas Frau Baata nach Karakurum, der früheren Hauptstadt der Mongolei fährt, um etwas Käse und Fleisch gegen Gemüse für ihre Mahlzeiten und Benzin für die Fahrzeuge zu tauschen.

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Der Wert der Bildung

Der hohe Bildungsstandard in der Mongolei ist ein weiterer Beweis ihrer Modernität. Zula und Baata wuchsen beide in nomadischen Familien auf, und wie die meisten Kinder gingen sie bis zum Alter von zehn Jahren in der nächsten Stadt zur Schule. Zula setzte seine Ausbildung fort, bis er 25 war. Er machte einen Abschluss in Wirtschaftskunde, bevor er Ranger wurde. Der Ruf der Natur war aber zu stark für ihn, so dass er zum Nomadenleben zurückkehrte. Heute gehen seine Kinder genau wie er damals unter der Woche zur Schule, auch wenn der Weg weit ist.

Dieses Erlebnis ist für die mongolische Kultur essentiell, denn es erlaubt den Kindern, sich zu entscheiden: für ein Leben in der Stadt und den Versuch, sich in eine moderne, kriselnde Gesellschaft zu integrieren, oder für die Rückkehr zur Natur. Diese Wahl fällt vielen jungen Leuten in ihren Zwanzigern extrem schwer. Die Mongolei leidet unter einer hohen Arbeitslosenquote, die im Winter noch ansteigt. In der Stadt gehen die jungen Leute in Bars und nutzen soziale Netzwerke (ja, genau wie wir) – wer ihnen vorschlägt, dieses Leben aufzugeben und sich tief in der Steppe zu isolieren, wird ausgelacht. Das ist verständlich – es ist schwer, sich das Leben in einer Jurte im Winter (der bis zu -50 Grad kalt werden kann) vorzustellen, wo man monatelang keine anderen Menschen sieht.

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Halb nomadisch, halb sesshaft

Auch wenn es zunächst verwunderlich klingt: Nomaden bewegen sich nicht über große Distanzen. Unsere Vorstellung besagt, dass sie jedes Jahr Hunderte von Kilometern zurücklegen, aber in Wahrheit lassen sie sich nieder, wenn sie einen geeigneten Ort finden. Dass die Nomaden den Ort, an dem sie leben, immer wieder wechseln, hat einen einfachen Grund: das Weideland, denn die Tiere müssen versorgt sein. Daher bewegen sie sich im Wandel der Jahreszeiten immer ein wenig weiter.

Man lebt hier in einer Einheit mit der Natur, genießt ihre Vorzüge und akzeptiert ihre Gefahren. Während unseres Aufenthalts wurden zwei Schafe und eine Ziege von Wölfen gerissen. Zula als ehemaliger Ranger zögert nicht, sie zu jagen, um seine Tiere zu beschützen. Es wirkt so spielerisch, wenn er uns zeigt, wie gut er aus dem Hinterhalt schießen kann, aber tatsächlich geht es um eine ständige Jagd und eine unsichtbare Bedrohung in jeder Nacht.

Die Isolation der Nomaden bedeutet nicht zugleich Einsamkeit. Sie kennen sich untereinander und helfen sich gegenseitig. Sie zögern nicht, einer benachbarten Familie einen Tag lang beim Sammeln von Heu für den Winter zu helfen. Diese Arbeit wird mit dem Ausleihen eines Traktors vergütet, was wiederum ein paar Tage harte Arbeit einspart – ein fairer Tausch.

Das Nomadenleben ist hart. Oft wird die Entscheidung dafür aus einem Ressentiment heraus getroffen. Die prekären Lebensumstände in der Stadt bringen viele Familien dazu, die Ghettos von Ulaanbaatar zu verlassen und zu einem einfacheren Leben zurückzukehren.

Am eindrucksvollsten an der modernen Nomadenkultur erschien uns, dass die Mongolen sich an die moderne Welt angepasst haben und nachhaltig mit ihr umgehen. Und obwohl wir diesen Lebensstil zu schätzen wissen, stellen wir fest, dass wir in unserer Komfortzone gefangen bleiben. Aber es werden uns definitiv genügend Eindrücke dieses Lebens in Erinnerung bleiben, um unser eigenes zu verbessern.

Besucht uns am 12. Oktober 2016 auf dem Fotolia by Adobe Blog, wenn wir die Fotos und Videos unserer Reise präsentieren!

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