Andy Reisinger und Ezequiel Pini sind die Köpfe hinter Six N. Five, einem in Buenos Aires gegründeten und kürzlich nach Barcelona gezogenen Designstudio. Die Arbeiten der beiden Kreativen zeugen von einem ungeheuer modern wirkenden, hyperrealistischen Perfektionismus, der irgendwo zwischen Stillleben und Digitalskulptur die Brücke zwischen Design und Kunst schlägt. Nachdem wir Andy und Ezequiel beim OFFF Festival 2016 getroffen haben, wollten wir noch etwas mehr wissen.

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Ich würde gern zuerst nach dem Namen eures Studios fragen. Bedeutet Six N. Five soviel Fünf nach Sechs? Ist das eine Uhrzeit? Das Ende des Arbeitstages?

Ja, ganz genau! Du bist der Erste, der die wortwörtliche Bedeutung verstanden hat. In den Jahren, die Eze und ich mit Agenturen, Studios und Produzenten zusammengearbeitet haben, war es die Ausnahme, nicht die Regel, um 18:05 Uhr zu gehen. Wir sind beide sehr organisiert und das wurde zu unserem Markenzeichen.

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Kommt ihr beide aus Buenos Aires? Woher kennt ihr euch?

Wir sind beide aus Buenos Aires. Und wir kennen uns überhaupt nicht, haha. Unsere Geschichte ist ein wenig seltsam: Wir haben unser Leben lang in der gleichen Stadt gelebt, die gleichen Freunde gehabt und in den gleichen Agenturen gearbeitet, aber wir haben uns nie privat kennengelernt. Wir kannten die Arbeiten des anderen und haben beschlossen, zusammenzuarbeiten und etwas Neues zu schaffen. Wir akzeptieren uns gegenseitig, nicht mehr, nicht weniger.

Wann habt ihr beschlossen, zusammenzuarbeiten? Gibt es eine Rollenverteilung in eurer Partnerschaft?

Wir haben 2014 beschlossen, unsere Köpfe zusammenzustecken und Ideen auszutauschen. Six N. Five haben wir gegründet, weil niemand da draußen etwas Vergleichbares gemacht hat. Wir wollten etwas machen, das es noch nicht gibt. Wir beide haben sehr unterschiedliche Hintergründe und das ist eine unserer größten Stärken. Wir sind in der Lage, einen Schritt zurückzutreten und die Vision des anderen zu respektieren.

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Wie kam es zu eurem Umzug nach Barcelona? Vermisst ihr Buenos Aires?

Barcelona ist eine schöne Stadt, die sich für alle möglichen Experimente geöffnet hat. Dadurch, dass wir jetzt in Europa sind, können wir leichter reisen und Leute treffen. So können wir viel effizienter an verschiedenen Projekten in verschiedenen Ländern arbeiten. Buenos Aires ist unsere Heimat, die wir immer vermissen werden. Aber es ist ja nicht allzu weit, nur eine Flugreise entfernt.

Eure Projekte erkunden die Schnittstelle zwischen Design und Kunst, die Trennlinie ist natürlich bisweilen unscharf. Wie ist euer Selbstverständnis? Und betrachtet ihr die beiden Bereiche getrennt voneinander?

Wir sind Designer. Wir sind von Design und genauso von Künstlern umgeben. Und wir sind genauso ein ungewöhnliches Künstlerduo, das als Designer arbeitet. Die neuen Plattformen und Techniken werden von der elitären Kunstwelt geringgeschätzt. Das lieben wir. Es ist nur eine Frage der Zeit.

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Wie bringt ihr persönliche Projekte und Auftragsarbeiten zusammen? Gibt es Unterschiede?

Es gibt Unterschiede. Wir ziehen es vor, mit Kunden zusammenzuarbeiten, die uns unsere Freiheit lassen und sich gerne von dem überraschen lassen, was wir liefern. Das hat bisher immer am besten funktioniert.

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Ich sehe vier Säulen in euren Arbeiten, die immer wiederkehren: Hyperrealismus, Surrealismus, Textur und Farbe. Auf der konzeptuellen Seite fällt mir in euren Arbeiten immer diese elegante Zweideutigkeit auf. Ist es das, wonach Six N. Five strebt?

Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen! Das ist genau das, was wir wollen. Wir wollen, dass du etwas spürst. Wir suchen immer nach dem, was unbequem und herausfordernd ist.

Was war euer bisher wichtigstes Projekt? Dasjenige, an das ihr euch immer erinnern werdet?

„Stampsy“ war eins unserer ersten Projekte und wir lieben es sehr. Heutzutage suchen wir aber nach extremeren Ausdrucksmitteln, die ehrlicher und zugänglicher sind – wie zum Beispiel in „Morbo“ und in „Autobiography“.

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Wie fandet ihr das OFFF Festival 2016?

OFFF war eine fantastische Gelegenheit, in drei Tagen viele Freunde zu treffen. Eine Menge unglaublich talentierter Künstler kam zusammen, um ein wenig die Sonne und den Frühlingsanfang zu genießen und Ideen und Projekte für die Zukunft auszutauschen.

Wollt ihr euch selbst eine Frage stellen und zugleich die Antwort geben?

Was habt ihr vor alldem hier gemacht? Eze hat bei Taekwondo-Meisterschaften in Jamaica, China und Korea mitgemacht. Andy hat klassische Musik studiert.

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