Arne Trautmann – auch bekannt unter seinem Fotolia by Adobe Namen Kzenon – ist gleich in doppelter Hinsicht ein außergewöhnlicher Fotolia Kontributor: Zum einen ist er als Anwalt für Medien- und Urheberrecht ein ausgewiesener Experte für die rechtlichen Aspekte der Bildnutzung. Zum anderen gehört er mit seinem Portfolio zu den erfolgreichsten Bildanbietern bei Fotolia und Adobe Stock.

Wir haben Kzenon zur re:publica 2016 eingeladen, der weltweit bedeutendsten jährlichen Konferenz rund um das Web 2.0 und die digitale Gesellschaft, wo wir mit unserer beliebten Fotolia Lounge vertreten waren. Kzenon stand den Konferenzteilnehmern während der #rpTEN bei allen Fragen rund um das Thema Bildnutzung – auch zum Thema Bildnutzung in Social Media – freundlich und kompetent zur Seite; unbestrittenes Highlight war aber sein Auftritt als Speaker einer Session, zu der rund 80 Zuhörer erschienen.

Wir haben uns mit Kzenon getroffen, um das Event noch einmal Revue passieren zu lassen.

Fotolia: Hallo Kzenon, kannst du dich unseren Lesern kurz vorstellen?

Kzenon: Ich bin Rechtsanwalt im Bereich Urheberrecht und geistiges Eigentum. Über diese Tätigkeit bin ich Mitte der 2000er-Jahre mit Microstock in Berührung gekommen und fand das Geschäftsmodell klasse, weil es Kreativität mit Business verbindet. Und so bin ich im Jahr 2007 unter dem Namen „Kzenon“ Kontributor bei Fotolia geworden. Das war von Anfang an sehr erfolgreich: Ich habe inzwischen bei Fotolia fast 23.000 Bilder im Angebot und mehrere hunderttausend Bildlizenzen verkauft.

Woman with red bikini and flower in hair in infinity Pool

Fotolia: Profitierst du als Kontributor von deiner beruflichen Expertise?

Kzenon: Ich antworte mit einem klaren „Jein“. Die reine Rechtskenntnis als solche nutzt nicht unbedingt etwas. Mein Geschäft ist es ja, Bilder herzustellen, nicht aber, Fehlnutzungen zu verhindern. Aber als Anwalt habe ich natürlich sehr viel mit Unternehmen und Geschäftsleuten aus den unterschiedlichsten Branchen zu tun. Ich habe auch selbst in der Industrie gearbeitet. Gerade wenn man typische Business-Bilder produzieren will, hilft es zu wissen, wie ein Unternehmen „von innen“ aussieht und wie sich Geschäftsleute selbst wahrnehmen. Die Bilder werden so einfach besser und authentischer.

Als Anwalt ist man es außerdem gewohnt, strukturiert und zielgerichtet zu arbeiten. Und das nutzt auch in einem kreativen Beruf. Denn letztlich muss man sich als Microstock-Kontributor ja auch um Dinge wie Vorbereitung des Shootings, Verschlagwortung, Retuschieren und Hochladen kümmern. Einfach nur eine Kamera richtig halten können genügt nicht.

Fotolia: Wie würdest du deinen ganz persönlichen Microstock-Stil bezeichnen?

Kzenon: Ich interessiere mich für Menschen und das, was sie tun. Daher nutze ich oft Nah- und Makroaufnahmen. Landschaften, schöne Orte und tolle Props sind bei mir eher Nebensache. Bei den Aufnahmen selbst versuche ich, möglichst authentisch und konzeptionell zu arbeiten. Zudem verzichte ich – mit einigen Ausnahmen in speziellen Situationen – bei fast allen Aufnahmen auf Filter, Lensflares und anderen Schnickschnack in der Nachbearbeitung. Ein guter Freund hat meinen Stil daher als „klassischen Microstock“ bezeichnet – und ich denke, dass er damit einen guten Punkt hat.

Siblings sitting on floor in yard

Fotolia: Auf der re:publica hast du zum Thema Stockfotografie und Bildrechte gesprochen. Kannst du uns erklären, worum es dabei konkret ging?

Kzenon: Meine These war, dass Microstock es geschafft hat, die Herstellung und den Vertrieb von Bildmaterial zu internationalisieren, zu vereinfachen und auf das Internet zu verlagern. Das hat den Markt für eine unglaubliche Anzahl von Kontributoren aus aller Welt geöffnet, die alle Arten von Bildmaterial anbieten. Gleichzeitig ist die Verwendung von Bildern sehr einfach und kostengünstig geworden. Ich habe diskutiert, wie das möglich ist. Denn uns wird ja immer erzählt, dass das Urheberrecht – dem auch Bilder unterliegen – im Internet nicht funktioniert, national fragmentiert und überhaupt vordigital sei. Zu Unrecht, wie die Fallstudie „Microstock“ sehr gut zeigt.

Fotolia: Worin liegen für dich im Bezug auf das Urheberrecht die Vorteile von Microstock?

Kzenon: Microstock ist wenig anfällig für fehlerhafte Verwendungen von Bildmaterial. Bei älteren Lizenzierungsmodellen waren die von der Agentur eingeräumten Rechte häufig räumlich, zeitlich oder inhaltlich beschränkt, etwa auf ein Jahr oder auf das Gebiet der Bundesrepublik. Da konnten schnell ungewollt Lizenzverletzungen entstehen, wenn man etwa einen Prospekt mit einem Stockbild länger als geplant verwendete.

Diese Fehlerquellen fallen bei Microstock weg, weil die Lizenz mit einer Einmalzahlung abgegolten und keinen der oben benannten Beschränkungen unterliegt. Nur für einige spezielle Anwendungen, wie etwa beim Verkauf von Produkten unter Verwendung von Microstock-Material, etwa Postkarten oder Postern, oder bei sehr hohen Auflagen, benötigt man eine sog. Erweiterte Lizenz.

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Fotolia: Können sich auch andere Branchen hierdurch inspirieren lassen? Wenn ja, warum?

Kzenon: Ja, das denke ich schon. Microstock war in den letzten Jahren ausgesprochen erfolgreich darin, den Bildmarkt zu vereinfachen. Kontributoren können problemlos ihr Bildmaterial weltweit vermarkten, Kunden das Material einfach und ohne rechtliches Risiko verwenden. Und das liegt schlicht daran, dass Microstock-Agenturen wie Fotolia von Anfang an ihre Wertschöpfungsketten international und auf Verwendung im Internet ausgerichtet haben.

Das können im Prinzip auch andere Industrien. Ein Beispiel ist die internationale Verwertung von eigenproduzierten TV-Serien in Videoportalen: Auch dort werden tradierte Rechteketten „neu aufgesetzt“ und so wird eine reibungsfreie und umfassende Verwertung der Serien möglich. Das ist nichts anderes als das, was Microstock seit zehn, zwölf Jahren macht.

Fotolia: Wie war das Feedback des Publikums? Gab es Fragen, die immer wieder auftauchten?

Kzenon: Die Reaktionen waren ausgesprochen positiv. Das hat mich sehr gefreut, denn es ist ja nicht ganz selbstverständlich, dass ein Vortrag eines Rechtanwalts zu letztlich eher trockenen Themen so freundlich aufgenommen wird.

Eine immer wiederkehrende Frage war, wie Fotolia Bilder von Agenturen an Kunden weitergegeben oder wie sie im Rahmen von Presseerklärungen verwendet werden können. Die Weitergabe durch Agenturen ist dabei schon von den Fotolia AGB abgedeckt. Bei Presseerklärungen kann man dem Empfänger nicht nur ein PDF, sondern anbei auch den Link zum Erwerb der Bilder mitliefern. Eine Alternative – die sich bei großen Aktionen lohnen kann – ist es, für die Bebilderung der Presseerklärungen jeweils Bilder in Erweiterter Lizenz zu erwerben. Dann ist auch die Weitergabe zur Veröffentlichung im Zusammenhang gerade mit der betreffenden Presseerklärung möglich.

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Fotolia: Kzenon, vielen Dank für das Gespräch!

Das Fotolia Portfolio von Arne Trautmann alias Kzenon findet ihr hier.
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