Auch an die zweite Hälfte unseres fünften und letzten TEN Collection Duos, Kenichiro Tomiyasu, Gründer des INEI Studios, hatten wir noch ein paar Fragen. Lest hier, was der japanische Konzeptkünstler uns über sein „Shangri-La der Zukunft“ zu berichten hatte!

Kannst du uns ein bisschen über dich und deinen Werdegang erzählen?

Nach meinem Abschluss in Industriedesign an der Kunsthochschule Musashino im Jahr 1997 habe ich zuerst als Designer für Namco gearbeitet, ein Unterhaltungsunternehmen, das damals vor allem Videospiele entwickelte. Danach war ich als Freelancer tätig. Seitdem habe ich zahlreiche Designs für ganz verschiedene Medien entwickelt, etwa in den Bereichen Videospiel, Film, Werbung, TV und Event. 2007 habe ich STUDIO TOMIYASU gegründet und mich auf Konzeptkunst und Matte Paintings spezialisiert. Um ein freies Umfeld für Kreative zu schaffen, habe ich daraufhin INEI Inc. gegründet und dort Konzeptkunst auf höchstem Niveau erstellt.

Welches Wort definiert dich?

Ich habe mich selbst nie mit spezifischen Begriffen definiert, daher weiß ich es nicht. Ich bin vielleicht einfach ein rundlicher, charmanter Gentleman in den besten Jahren.

Und wie definierst du deinen Stil?

Ich tue immer das Beste, was ich kann, ich denke nicht wirklich über Stil nach.

Wer oder was beeinflusst deine Arbeit?

Die schönen Dinge auf der Welt, schöne Formen, die ich berühren kann, Filme, Fahrzeuge, Design, Musik, Freunde etc.

Haben deine Herkunft oder die Kultur deines Landes dich beeinflusst? Und wenn ja, wie?

Die Leute sagen, dass meine Arbeiten im Bezug auf Stil und Farbgebung immer dann besonders japanisch wirken, wenn ich male. Ich glaube, ich profitiere auf unbewusste Weise davon, dass ich in Japan geboren und aufgewachsen bin.


Welche Eigenschaften sollte ein Designer deiner Meinung nach haben?

Kühnheit und Empfindlichkeit; beständig sein, aber nicht an einer Sache festhängen; maskuline und feminine Sinne haben; eine einzigartige Persönlichkeit sein, die zwei verschiedene Seiten hat – wie Kopf und Zahl.

Warum hast du dich dazu entschieden, beim TEN Projekt mitzumachen?

Ich wollte neue Anregungen finden, indem ich einmal eine Arbeit mache, die ganz anders ist.

Arbeitest du normalerweise auch mit jemandem zusammen wie in diesem Projekt?

Nein, nie.

Wie lief die Zusammenarbeit mit deinem Counterpart in puncto Konzeption, Briefing, Organisation, Kommunikation?

Ich habe viel aus dieser Zusammenarbeit gelernt und es war eine gute Erfahrung für mich. Wenn ich normalerweise auch mit einer Vielzahl von Leuten an einem Projekt arbeite, ist Konzeptkunst doch ein einsames Geschäft, weil ich alleine zeichne. Jetzt gab es Phasen, die ich so noch nie erlebt habe, wie zum Beispiel den Kommunikationsprozess zwischen mir und der Fotografin. Ich habe dabei ein paar interessante Entdeckungen gemacht. An einigen Stellen mussten wir überhaupt nicht verbal kommunizieren, einfach weil wir beide Künstler sind. Zugleich habe ich bemerkt, dass die Denkweisen in Fotografie und Konzeptkunst unterschiedlich sind.

Ich danke meiner Partnerin Mi-Kyung. Als ich sie um einen Tipp gebeten habe, wie man großartige Fotos macht, hat sie geantwortet: „Keine Technik. Am wichtigsten ist, was du fühlst.“

Inwiefern hat dich das gegebene Thema inspiriert?

„Die Zukunft“ ist ein bekanntes Thema im Bereich Konzeptkunst – viele Filme und Spiele sind in einer zukünftigen Welt angesiedelt. Als ich von dem Thema hörte, dachte ich sofort an eine futuristische Science-Fiction-Stadt. Aber Mi-Kyung hatte ein anderes Bild der Zukunft. Darum habe ich meine eigene Interpretation zurückgestellt und beschlossen, mich auf die Zusammenarbeit einzulassen. Die Kollaboration mit anderen Künstlern hat meiner Intuition immer sehr genützt.

Welche Botschaften, Gefühle oder Ideen wolltest du in deinem Werk transportieren? Und welche Motivation steht dahinter?

Es gibt keine großen Botschaften in meinen Arbeiten. Bitte habt einfach Spaß daran, genießt die Schönheit oder stellt euch vor, wie der Schaffensprozess ausgesehen hat. Und dann könnt ihr natürlich gern meine Firma INEI Inc. anrufen.

Was ist dein bevorzugtes oder benötigtes Equipment?

Photoshop, Wacom Intuos und der PC.

Kannst du uns kurz beschreiben, wie dein Arbeitsprozess für gewöhnlich aussieht?

Ich treffe mich mit Kunden, um das Konzept einzugrenzen. Dann gehe ich nach Hause und zeichne. Je nach den zeitlichen Möglichkeiten versuche ich, den Grad der Perfektion zu erhöhen.

Hast du für TEN mit anderen Tools oder Methoden gearbeitet als sonst?

Zunächst verwende ich nie das Fotomaterial anderer Leute in meinen Arbeiten, denn es geht in der Konzeptkunst darum, eine Idee zu visualisieren. Normalerweise werden meine Arbeiten auch zum internen Gebrauch erstellt und stehen der Öffentlichkeit nicht zur Verfügung. Das ist bei TEN natürlich anders, und dieses Werk hat eine völlig andere Existenzberechtigung.

Kannst du uns ein paar Tricks und Techniken verraten, die du verwendet hast?

Ich gebe gerne ein paar Tipps, wie man Fotos nachbearbeitet. Stellt die Helligkeit genau ein. Nutzt dazu die Tonwertkorrektur und checkt den RGB-Wert, falls nötig. Wenn ihr ein Element aus einem Foto entfernen wollt, dann erstellt eine Auswahl um das unerwünschte Element und wählt unter Bearbeiten -> Fläche füllen -> Inhaltsbasiert, um den Bereich zu füllen. Wenn ihr ein Foto mit grafischen Elementen oder Text aufwerten wollt, ist es sinnvoll, mit dem Pipetten-Werkzeug eine Farbe aus dem Foto auszuwählen und für die zusätzlichen Elemente zu verwenden.

Vielen Dank für das Gespräch, Kenichiro! Wer sich mit unserem TEN Artist messen will, kann das beim TEN Collection Contest tun und dabei fantastische Preise für seine Arbeit gewinnen. Und wer den TEN Gratis-Download verpasst hat, kann das Artwork hier erwerben.