In diesem Artikel führt uns Photoshop Experte Eric Renno alias TipSquirrel durch einige Funktionen der kostenlosen Bildbearbeitungs-App Snapseed. Eric, du hast das Wort!

Eric Renno: Snapseed gibt es nun schon eine Weile, und manche von euch werden sich noch an die Desktop-Anwendung von Niksoft erinnern. Zwischenzeitlich hat Google Niksoft gekauft, Snapseed bei Google Plus eingefügt und die Handy-App weiterentwickelt.

 

Warum Snapseed meine bevorzugte App ist

Snapseed ist ein tolles Bildbearbeitungsprogramm, das einfach gehalten und nicht mit Filtern und Spezialeffekten vollgestopft ist. Also, lasst uns den Workflow anschauen. Ich werde hier nicht alles behandeln, aber wenn man verstanden hat, wie die App funktioniert, kann man leicht in alle Einstellungen eintauchen.

Ein Bild laden

In diesem Beispiel arbeite ich mit einem Android-Smartphone; der Ablauf ist bei einem iPhone derselbe, allerdings wird das Menü etwas anders aussehen. Drückt auf die Kamera mit dem + oben rechts und ihr könnt entweder ein neues Bild aufnehmen oder eins aus einem eurer Ordner laden. Snapseed arbeitet mit einer Kopie eures Bildes, also macht euch keine Sorgen um das Original. Wichtig zu erwähnen ist, dass eine einmal gespeicherte Veränderung nicht rückgängig gemacht werden kann – ihr könnt dann nur wieder zum absoluten Anfang zurück.

Begradigen und Beschneiden

Ich begradige und beschneide gern als erstes, damit ich später nicht von Bildteilen abgelenkt werde, die ich gar nicht haben will.

Um das Bild zu begradigen, wählt das Straighten-Symbol aus, das wie eine Wasserwaage aussieht. Bewegt ihr euren Finger auf dem Bildschirm hoch und runter, dreht sich der Ausschnitt und ihr könnt die vertikalen oder horizontalen Linien in eurem Bild mit dem Gitter abgleichen. Wenn ihr das Bild um 45° drehen wollt, tippt auf einen der Pfeile unten auf dem Bildschirm. Wenn ihr zufrieden seid, tippt auf das Häkchen in der unteren, rechten Ecke. Wie schon gesagt, damit wird diese Änderung gespeichert und kann nicht rückgängig gemacht werden.

Um das Bild zu beschneiden, wählt das Crop-Symbol aus. Wenn es nicht sichtbar sein sollte, streicht nach rechts oder links über den unteren Teil des Bildschirms, um alle Optionen zu sehen. Es gibt einige Voreinstellungen, aber ihr könnt auch frei zuschneiden. In meinem Beispiel schneide ich ein Quadrat aus. Man kann die Größe des Ausschnitts ändern, wenn man über einen der Eckpunkte streicht.

Der Spaß beginnt

Snapseed hatte schon immer eine Funktion mit dem Namen Drama, die kontinuierlich verbessert wurde. Wenn ihr mit dem Clarity Slider in Camera Raw oder Adobe Lightroom vertraut sein, werdet ihr die Funktion wiedererkennen. Snapseed sucht nach kontrastreichen Bereichen in eurem Bild und verstärkt sie: Plötzlich stechen Details heraus. Das mache ich immer als erstes und manchmal sieht das Resultat furchtbar aus, aber für gewöhnlich liebe ich die Funktion.

Kontext-Menüs

In vielen Snapseed Einstellungen gibt es ein internes Menü. Um dorthin zu gelangen, tippt ihr auf den Bildschirm, haltet den Finger und bewegt ihn hoch und runter. Dadurch bewegt ihr euch durch die verschiedenen Menüpunkte. In der Drama-Funktion besteht das Menü aus nur zwei Optionen: Filterstärke und Sättigung. Um den Wert zu ändern, streicht hoch oder runter, um den Menüpunkt auszuwählen, lasst dann los und streicht entweder nach rechts oder links, um den Effekt zu verstärken oder abzuschwächen.

Selektive Einstellungen

Die Stärke von Snapseed liegt in der Möglichkeit, ein Bild zu analysieren. Wenn ihr im Menü „Selective Adjustments“ seid, seht ihr unten ein + in einem Kreis. Tippt ihr darauf, wird ein Einstellungspunkt ausgewählt. Mit zwei Fingern könnt ihr nun die Reichweite dieses Punktes, der rot dargestellt ist, einstellen.

Auch hier gibt es ein Kontext-Menü, das ihr wie oben erklärt erreichen könnt. Diesmal mit drei Optionen: Helligkeit, Kontrast und Sättigung. Jede davon wird nur den ausgewählten Bereich verändern.

Man kann beliebig viele Punkte hinzufügen, sie können sich auch überlappen. Wenn der Bildschirm zu voll wird und ihr das Bild ohne Punkte sehen möchtet, haltet das kleine Augen-Symbol unten auf dem Bildschirm gedrückt.

Ihr könnt auch einen Vorher-Nachher-Vergleich sehen, wenn ihr das kleine Berg-Symbol oben rechts antippt und haltet. Dieses erscheint übrigens in jeder Anwendung.

Schwarz-Weiß

Die Schwarz-Weiß-Funktion habe ich in diesem Beispiel nur ausprobiert. Ihr müsst entscheiden, ob der Effekt zu eurem Bild passt. Ich finde, mein Bild verliert dabei etwas an Spannung, deswegen habe ich statt auf das Häkchen auf das X getippt und kann nun dort weitermachen, wo ich vorher war.

Center Focus

Center Focus ist eine beliebte Anwendung geworden, aber hier kommt ein Wort der Warnung: Wenn ihr das Bild mit der Fotolia Instant App hochladen wollt, solltet ihr die Funktion sparsam einsetzen. Ihr müsst euch nun einen Punkt suchen, der bei eurem Bild im Mittelpunkt stehen soll, wie bei meinem Beispiel die Lampe.

Die Mitte des Center Focus wird, wie zu erwarten, in der Mitte eures Bildes sein, aber ihr könnt ihn verschieben, wohin ihr wollt. Hier könnt ihr wieder mit zwei Fingern den Radius verstellen und mittels des Kontext-Menüs den Weichzeichner und die Helligkeit bearbeiten.

Es gibt auch noch den Tilt-Shift-Weichzeichner. Dieser kreiert einen geradlinigen Bereich, von dem der Weichzeichner ausgeht. Dies simuliert die Funktion einer Tilt-Shift-Linse und ist geeignet, um manchen Bereichen des Bildes Tiefe zu verliehen.


Wenn ihr wollt, macht einen Rahmen darum

Die Rahmen bei Snapseed sind eher simpel, können aber verändert werden. Wenn ihr einen Rahmen ausgewählt habt, könnt ihr die Größe mit zwei Fingern anpassen. Auch hier gilt: Wollt ihr das Bild in die Fotolia Instant Collection hochladen, lasst den Rahmen weg.


Macht es scharf

Die Detail-Funktion wird euer Bild schärfen. Wieder wird nach Kontrasten gesucht. Es gibt zwei Punkte im Kontextmenü, Schärfen und Struktur. Um zu sehen, wie diese auf dem Bild wirken, tippt auf die Lupe unten auf dem Bildschirm und dann auf die Stelle im Bild, wo ihr die Schärfe überprüfen wollt. Ihr könnt die Lupe über das gesamte Bild bewegen.


Speichert es

Als letztes, jedenfalls für dieses Bild, speichert ihr es, indem ihr das Symbol mit dem Pfeil oben in der Mitte antippt. Vergesst auch nicht, es zu teilen – Fotos sind dazu da, gesehen zu werden.

Was wir nicht abgedeckt haben

Es gibt noch ein paar mehr Dinge bei Snapseed, die wir nicht besprochen haben, zum Beispiel:

Tune Image: Funktioniert wie Selective Adjustments, ist aber für das gesamte Bild und nicht nur für einen Ausschnitt.

Grunge: Diese Funktion gibt dem Bild Struktur und Ton und kann oft etwas übertrieben wirken, beim richtigen Bild ist es aber eine tolle Anwendung. Die zwei verflochtenen Pfeile zeigen Effekte per Zufall und ihr könnt durchtippen, bis euch einer gefällt.

HDR Scape: Wenn ihr ein HDR-Bild verwendet habt, wird diese Funktion es stark verbessern. Sie ist vielleicht etwas altmodisch im Ergebnis, kann aber ein netter Anfang sein, ähnlich wie Drama.

Retrolux: Fügt einen leichten Leak-Effekt hinzu, der zu speziellen Fotos gut passt.

Vielen Dank an Eric für die tollen Ratschläge. Mehr von Erics Tipps findet ihr auf seiner Website, auf YouTube, Facebook und Twitter!