Ostern ist Weihnachten ist Ostern. Ungewöhnliche Deadlines für Saisonthemen

Man hat sich in den letzten Jahren daran gewöhnen müssen, bereits im Hochsommer Lebkuchen, Stollen und Spekulatius in den Supermarktregalen zu sehen,– Schokoweihnachtsmänner und -hasen geben sich mittlerweile die Klinke in die Hand. Saisonware lässt ordentlich die Kassen klingeln und so wird ohne Rücksicht auf kulturgeschichtliche Schonfristen oder altmodische Gefühlslagen wie Vorfreude möglichst zeitig möglichst viel von dem Zeug raus gehauen. Doch gibt es Grenzen der Zumutbarkeit: Würde man als Verbraucher bereits im Frühling mit der nächsten Dosis Nelke, Zimt & Kardamon bombardiert, stülpte dies einem unausweichlich den Magen um. Der leichte bis mittelschwere Überdrussekel im Anschluss an die Weihnachtszeit braucht im Regelfall mehrere Monate, um abgebaut zu werden. (Die Industrie sollte in diesem Kontext mal über die Funktionalisierung der christlichen Fastenzeit nachdenken: Trendiges Aushungern für anschließenden Exzesskonsum!)


Für solche menschlichen Be- und Empfindlichkeiten hat die Werbe-, Promotion- und Marketingbranche allerdings keine Zeit. Ganz besonders gilt das für die monatlich erscheinenden Hochglanzmagazine. Wer da nach Ostern versucht, sein innovatives und wunderschönes Produkt als Geschenktipp fürs Weihnachtsspecial unterzubringen, erntet nur noch ein müdes Lächeln. – Gekaufte Promotion kann man natürlich bis ungefähr 23. Dezember platzieren …


Halten wir fest: Art Directors und Bildredakteure aller Herren Länder sitzen in diesem Augenblick vor ihren Rechnern und suchen nach winterlichen, adventlichen, weihnachtlichen und silvesterlichen Bildern. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier… Weihnachten 2007 steht vor der Tür!

Es tut uns leid, wenn Ihnen gerade schlecht wird, aber immerhin geht es bei uns ja nicht um Gerüche und Geschmäcker, sondern um Bilder. Durchforsten Sie also in den nächsten Tagen Ihr Archivmaterial vom letzten frohen Fest sowie von allen digital dokumentierten frohen Festen davor. Oder noch besser: Inszenieren Sie spontan Motive mit begeisterten Menschen, die Digitalkameras, Laptops und Handys auspacken. Arrangieren Sie Bilder von weihnachtlichen Interieurs und festlich gedeckten Tischen.

Und sollte es trotz Klimaerwärmung in den nächsten Wochen noch einmal schneien, stellen Sie Ihre Frau/Tochter/Freundin oder Ihren Mann/Sohn/Freund in den Schnee, natürlich versehen mit Handy, Blackberry oder MP3-Player (Keine Logos bitte!). Schön wäre auch ein junger Snowboarder mit Jagertee neben und Laptop zum E-Mail-Checken auf rustikalem Berghüttentisch vor sich. Oder lassen Sie übrig gebliebene Silvesterraketen zum Himmel steigen – nein, halt, verboten! –, vor deren Silhouette innig umschlungen ein Glücksschwein und ein Schornsteinfeger tanzen. Sollten Sie sich auf Illustrationen spezialisiert haben, scheuen Sie keine Klischees,– diese müssen nur im zeitgemäßen Gewand, sprich ästhetisch up to date rüberkommen! Fangen Sie gleich mit vielen funky 2008en an.

Lange Rede, kurzer Sinn: Verdienen Sie mit ollen Kamellen das Geld für viele bunte Ostereier.

Und verschonen Sie uns bittebittebitte mit den Frühlingsblumen! Schauen Sie sich Krokusse, Tulpen und Narzissen mit interesselosem Wohlgefallen an, riechen Sie an ihnen oder pflücken Sie sich welche. Mit allen Sinnen genießen, ganz ohne Kamera. Sie sind doch kein japanischer Tourist! Wir bei Fotolia erwägen wegen notorischer Unbelehrbarkeit unserer ansonsten hochgeschätzten Fotografen die Einführung von Straf-Credits für hochgeladene Blumenmotive, auf denen nicht wenigstens noch ein Mensch sowie ein modernes Kommunikationsmedium zu sehen sind. Unser Kommentar zu schönen Blumenbildern? Bis auf wenige Ausnahmen leider unverkäuflich! DAS GILT AUCH FÜR WEIHNACHTSSTERNE UND SCHNEEROSEN.

Text: GC

Bilder:
metallic eggs © Petra Roeder
woman checking her weight on scale with path © David Gaylor
gift boxes © auris
raketen © Dirk Püschel
rote mütze © Marie-hermine Parecker

Posté par Dittmar à 09:17, März 1 2007