Surreale Landschaften in Photoshop gestalten.
Ein Tutorial von Dirk Metzmacher.

Heute dreht sich alles um Composings. Ganz sicher waren auch Sie schon das eine oder andere Mal fasziniert beim Anblick eines Bilds einer surrealen Landschaft und  haben sich gefragt: „Wie geht das?“ Gute Frage! Photoshop-Profi Dirk Metzmacher lüftet das Geheimnis für uns.

 
 
Stockfotomaterial als Inspirationsquelle
Die kreative Herausforderung war, aus (fast) beliebigem Stockmaterial eine surreale Landschaft zu gestalten. Bei über 18 Millionen professionellen Bildern ist es leicht, immer das passende Foto zu entdecken. Soll daraus eine surreale Landschaft entstehen, so muss das Traumhafte und Unwirkliche betont werden. Die Bildelemente sollen also gar nicht perfekt zusammen passen, sondern im Gegenteil dürfen Traum und Wirklichkeit gerne eine neue Realität bilden. Das Unmögliche wird dabei in einer Kombination von verschiedenstem Bildmaterial umgesetzt.


Quellenangabe
Die folgenden Stockfotos wurden grob aus dem riesigen Fotolia-Archiv ausgewählt, einzig in Hinblick auf die Entstehung einer Landschaft mit einem Boden, einem Himmel und einigen Elementen, die im so geschaffenen neuen Raum vorkommen sollen:

Sol en bois © dutourdumonde #15410666
asphalt © Vitaly Krivosheev #30807488
Twilight landscape with foggy field © Julia Shepeleva #11984302
Beach Zebra © Carlos Caetano #25254470
Freedom © olly #28824004
Heissluftballon © The Photos #39483282
Walking Elephant © Carlos Caetano #25742331
cityscapes © jameschipper #36789493
High resolution fire collection, isolated on black background © Jag_cz #32342198
la lanterna di genova © avalon1973 #36276775

Zugegeben, einige der Fotos sind erst im Laufe der Entstehung der Komposition dazu gekommen, wie etwa das Feuer für den Heißluftballon oder die Silhouette der Skyline als Übergang vom Holzboden zum Himmel.

Freistellen
Ein professioneller Weg zum Freistellen führt über das Zeichenstift-Werkzeug, also über einen Pfad. Ist das Werkzeug aktiv, so wird in der Optionsleiste zunächst die Schaltfläche Pfade angeklickt. Etwas weiter rechts ist ein kleiner, schwarzer Pfeil zu sehen, der zu den Geometrie-Optionen führt. Da sollte bei den Zeichenstift-Optionen Gummiband aktiviert werden, um den Pfad besser verfolgen zu können. Auch sollte Pfadbereich erweitern (+) aktiv sein.

Mit dem Zoomwerkzeug gehen Sie weitaus näher an das Bild heran. Setzen Sie den Pfad Punkt für Punkt entlang der Kontur des Bildobjektes und achten Sie dabei darauf, eher einen Pixel weiter im Objekt zu arbeiten. Sollten Sie einen Punkt falsch gesetzt haben, halten Sie die Strg-Taste gedrückt und positionieren ihn erneut. Eine Kurve ziehen Sie mit gedrückter Maustaste und dem Ziehen der Maus auf. Leider möchte Photoshop nach einer Kurve unbedingt eine weitere Kurve ziehen. Um das zu verhindern, klicken Sie den zuletzt gesetzten Punkt mit gedrückter Alt-Taste an. Jetzt können Sie leicht wieder Geraden ziehen.

Wurde der Pfad geschlossen, so lässt sich daraus schnell eine Auswahl erzeugen. Das Tastenkürzel Strg+Eingabetaste sorgt für die „laufenden Ameisen“. Klicken Sie dann im Ebenenbedienfeld auf die Schaltfläche Ebenenmaske hinzufügen. Das Objekt wurde freigestellt.

Wer generell lieber mit Masken arbeitet, könnte auch gleich zum Anfang auf Ebene > Ebenenmaske > Alle einblenden klicken. Mit dem Buntstift, schwarzer Vordergrundfarbe und einer größeren Pinselvorgabe wird das Objekt grob freigestellt. Zoomen Sie dann an einen Bereich näher ran. Übrigens können Sie den Bildausschnitt leicht mit gedrückter Leertaste verändern.

Mit dem Polygon-Lasso-Werkzeug wählen Sie Bereich für Bereich entlang der Kontur aus und drücken nach dem Schließen der Auswahl bei schwarzer Hintergrundtaste (Tastenkürzel D) die Entfernentaste. Strg+D oder ein weiterer Klick mit dem Polygon-Lasso-Werkzeug heben die Auswahl auf. Auch so können Sie Schritt für Schritt für ein freigestelltes Objekt sorgen.

Freigestelltes optimieren
Selbst wenn das Bildelement perfekt freigestellt wurde kann es dazu kommen, dass am Rand der alte Hintergrund immer noch durchschimmert. Ein „Quick & Dirty“-Trick nutzt den Wischfinger, um diesen Fehler zu verbessern. Kopieren Sie dazu die Ebene mit dem freigestellten Objekt über Strg+J. Als weitere Vorbereitung klicken Sie im Menü auf Ebene > Schnittmaske erstellen.

Mit dem Wischfinger-Werkzeug, das in der Optionsleiste auf einen Schwellenwert von 40% eingestellt wurde, ziehen Sie nun am Rand von innen nach außen etwas „Material“ heraus, ohne Unschärfen einzuarbeiten. Auch das Kopierstempel-Werkzeug kann da helfen. Mit gedrückter Alt-Taste und einem Mausklick wird dabei die Quelle definiert und am Rand entlang gezeichnet/kopiert.

Hauchdünne Linien, wie etwa die Schnur zum Ballon hin, können auch mit einer passenden Farbe und dem Pinsel-Werkzeug übermalt werden. Um zu testen, ob Sie wirklich sauber freigestellt haben, legen Sie für den Moment eine neue Ebene unterhalb des Objektes an und füllen diese Ebene mit 50% Grau. So lassen sich weitaus leichter Stellen erkennen, die noch optimiert werden müssen.

Freigestelltes grob positionieren
Wurden alle Bildelemente freigestellt und optimiert, entsteht zunächst der Wolkenhintergrund als Grundlage. Im oberen Bildbereich soll das „dramatische“ Wolkenmeer, im unteren Bildbereich der eher ruhige Himmel dominieren, um den weiteren Elementen eine gute Basis zu bieten. Dazu erhält eines der Fotos (mit einem Himmel) eine Maske über Ebene > Ebenenmaske > Alle einblenden. Mit dem Pinsel-Werkzeug, schwarzer Vordergrundfarbe und einer größeren Pinselvorgabe wird der Übergang erzeugt.

Die Holztextur wird über Bearbeiten > Transformieren > Perspektivisch in Form gebracht, um diese zum Horizont hin verlaufen zu lassen. Kopieren Sie die Ebene über Strg+J und wenden Sie den Weichzeichnungsfilter > Gaußscher Weichzeichner mit etwa 2 Pixeln an. Die Ebene erhält eine Maske, um in dieser mit dem Verlaufswerkzeug einen Verlauf von Weiß zu Schwarz und von oben nach unten aufzuziehen, damit die Unschärfe langsam zum Hintergrund hin verstärkt wird. Es folgen der Ballon und die Frau, das Zebra und das Flugzeug, der Elefant und der Turm, die jeweils grob im Dokument positioniert werden.

Übergang optimieren
Da der Übergang der Holztextur zum Himmel noch sehr scharf geschnitten ist, wird er mit der Silhouette einer Skyline kombiniert. Auf einer eigenen Ebene, die über Umschalt+Strg+N erzeugt wird, sollte mit dem Pinsel-Werkzeug, einer sehr weichen Pinselvorgabe und einem hellen Grau ein Nebel am Übergang eingezeichnet werden. Wird beim Ziehen die Umschalttaste festgehalten, so sind gerade leichter Striche möglich. Die Ebene könnte noch weichgezeichnet oder über die Deckkraft die Sichtbarkeit gesteuert werden.

Farben anpassen
Noch wirkt die Komposition viel zu bunt und farbenfroh. Eine Ebene > Neue Einstellungsebene > Schwarzweiß kann das Problem schnell lösen, wobei die Deckkraft dieser Ebene auf etwa 60% reduziert wird. Auch könnten auf eigenen Ebenen, deren Füllmethode von Normal auf Farbe umgestellt wurde, ganz neue Farbtöne eingezeichnet werden. So erhält das Bild einen ganz eigenen „Anstrich“. Statt zu malen, wurde das Feuer des Heißluftballons als Foto eingefügt, über Strg+T verkleinert und mit dem Verschieben-Werkzeug positioniert. Da die Flamme auf schwarzem Hintergrund liegt, reicht die Füllmethode Negativ multiplizieren aus, um diese perfekt einzufügen.

Licht und Schatten einzeichnen
Auf eigenen Ebenen malen Sie mit dem Pinsel-Werkzeug, einer kleinen Pinselvorgabe und schwarzer Farbe unterhalb der Ebenen mit den Bildelementen die Schatten ein. Grob kann in Kernschatten, also Schatten, die ganz nah am Körper liegen und an denen sich keine bestimmte Lichtrichtung ablesen lässt, und Schlagschatten, die sich aus der (erzeugten) Lichtstimmung ergeben, unterschieden werden.

Neben dem Einzeichnen könnten Sie auch den folgenden Weg gehen, um Schlagschatten zu erzeugen: Klicken sie die Ebenenminiatur des freigestellten Elementes, das einen Schlagschatten erhalten soll, mit gedrückter Strg-Taste an. Eine Selektion wurde erzeugt, die Ameisen laufen. Jetzt füllen Sie die Auswahl auf einer eigenen Ebene mit schwarzer Farbe, über Bearbeiten > Fläche füllen. Strg+D hebt die Auswahl auf und der Gaußsche Weichzeichner sorgt dafür, dass der Schatten etwas weicher verläuft. Die Deckkraft wird reduziert und der Schatten über Strg+T gedreht, verzerrt und positioniert.

Um Licht einzuzeichnen, erstellen Sie eine neue Ebene über Umschalt+Strg+N, stellen den Modus auf Ineinanderkopieren um und die Deckkraft auf 50% ein. Mit weißer Farbe, einer weichen Werkzeugspitze und dem Pinsel-Werkzeug zeichnen Sie das „Licht“ ein. Ein sehr eleganter Weg für das Licht- und Schattenspiel führt ebenso über Umschalt+Strg+N, Ineinanderkopieren und dem Aktivieren von Mit neutraler Farbe für den Modus Ineinanderkopieren füllen (50% Grau). Mit dem Abwedler- und dem Nachbelichter-Werkzeug sorgen Sie nun für eine optimierte Lichtstimmung.

Feinheiten umsetzen
Zuletzt könnten Sie noch eine Ebene > Neue Einstellungsebene > Gradationskurve über das Bild legen, um aus den Vorgaben der Korrektur eine Kontrastverstärkung auszuwählen. Auch eine Einstellungsebene Dynamik und eine Tonwertkorrektur könnten das Ergebnis aufwerten. Um die Komposition zu schärfen aktivieren Sie die oberste Ebene und drücken das Tastenkürzel Umschalt+Strg+Alt+E.

Die Ebenen wurden wie auf eine Ebene reduziert auf einer neuen Ebene abgelegt und sind bereit für die Schärfung. Nach Filter > Für Smartfilter konvertieren folgt der Filter > Scharfzeichnungsfilter > Unscharf maskieren mit Stärke: 400% und Radius: 0,2 Pixel. Damit sich der Filter auf die Form, nicht aber auf die Farben auswirkt, könnten Sie nach einem Doppelklick auf das Icon rechts neben dem Filternamen den Modus noch auf Luminanz umstellen.

Das Ergebnis zeigt, dass sich sauber freigestellte Elemente schnell und problemlos zu ganz neuen Bildern kombinieren lassen. In diesem Beispiel wurden beliebige Aufnahmen kombiniert. Das Archiv von Fotolia bietet aber zu jedem Thema das passende Fotomaterial an. Die Möglichkeiten werden also nur durch die eigene Kreativität, den eigenen Ideenreichtum eingegrenzt.

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Über den Autor

Dirk Metzmacher ist der Herausgeber des Photoshop-Weblogs, sowie Fachjournalist und Photoshop-Profi, dessen Artikel schon seit über zehn Jahren Leser von Fachpublikationen wie Galileo Press, Docma, dem Franzis Verlag oder DigitalPhoto sowie Online-Magazinen wie etwa Dr.Web, Smashing Magazine und psd-tutorials.de von den Grundlagen zum Thema Photoshop bis hin zu professionellen Arbeitsweisen begleiten.

Der Autor Dirk Metzmacher  bloggttwittert und schreibt auf Facebook über Bildbearbeitung und Photoshop.