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Wie erstellt man Strichzeichnungen aus Fotos? Am Beispiel des Bilds #27916492 © von Valuta Vitaly erklärt Doc Baumann Schritt für Schritt, wie man ein Foto in eine Konturzeichnung umwandelt.

Foto in Konturzeichnung umwandeln
Strichzeichnungen
Es ist gar nicht so einfach, ein Foto so in eine Zeichnung umzuwandeln, dass genau die gewünschten Konturen berücksichtigt werden. Wir zeigen Ihnen die wichtigsten Vorgehensweisen. Von Doc Baumann
Der Versuch, ein Foto mit den dafür vorgesehenen Konturenfiltern in eine überzeugende Umrisszeichnung zu verwandeln, schlägt meist fehl. Die schwarzen Linien erscheinen überall – nur nicht dort, wo Sie sie haben wollen. Das liegt zum einen an der Wirkungsweise der Filter, hat aber auch viel mit der gewählten Bildvorlage zu tun: Zu schwache Kontrastkanten – oder umgekehrt: durchs Motiv verlaufende Schlagschatten – führen unvermeidlich zur Bildung von Linien, wo man eigentlich keine haben möchte.
Ich werde Ihnen in diesem Tutorial neben den vertrauten Filtern einige Vorgehensweisen vorstellen, die Sie genauer steuern können. Auf der letzten Seite des Beitrags finden Sie zudem einige Plug-ins, die sich ebenfalls zu diesem Zweck einsetzen lassen. Das auf den folgenden Seiten verwendete Porträt von Fotolia können Sie zum Nachvollziehen der Arbeitsschritte gratis von www.Docma.info/10040.html herunterladen; es hat die Nummer 27916492.
Am besten eignen sich Vorlagen mit klaren Konturen und Kontrastkanten wie diese Aufnahme vom Innenhof der Cancelleria in Rom. Schattenränder dagegen müssen nachträglich retuschiert werden.
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Gesichter – hier eine Büste Vespasians – benötigen gleichmäßige Beleuchtung ohne Schatten.
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1 Ausgangsfoto und Ebenenaufbau
Das erste Verfahren basiert auf der Differenz-Verrechung einer leicht verschobenen Ebene mit ihrem Duplikat. Wichtige Voraussetzung für ein gutes Ergebnis ist ein kontrastreiches Foto, möglichst ohne
Schlagschatten. Kontrastschwachen Bereichen – egal ob im Schatten oder flach beleuchtet – fehlen die Informationen, die Sie für die weiteren Schritten benötigen, um Konturen zu erzeugen.
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2 1. Differenz-Ebenenverrechnung
Entsättigen Sie die Hintergrundebene (oder ein Duplikat davon, das Sie per „Strg-/Befehlstaste-J“ erzeugen). Duplizieren Sie diese Ebene erneut und weisen Sie ihr in der Ebenenpalette den Verrechnungsmodus „Differenz“ zu. Aktivieren Sie eine der beiden Ebenen, wählen Sie das „Verschieben“-Werkzeug (V-Taste) und bewegen Sie die Ebene per Pfeil-Tasten um einige Pixel horizontal und vertikal.
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3 Invertieren und Verstärken
Horizontaler und vertikaler Versatz sollten nicht mehr als drei Pixelbetragen; jedes Drücken der Pfeil-Tasten versetzt die Ebene um ein Pixel. Um das Negativ-Ergebnis [Bild 2] zum Positiv zu machen, fügen Sie eine „Umkehren“-Einstellungsebene hinzu. Das Ergebnis (linke Hälfte) wirkt wie eine Zeichnung mit weichem Bleistift. Um akzentuiertere Linien zu erhalten, erzeugen Sie eine „Tonwertkorrektur“-Einstellungsebene und verlagern Schwarz- und Weißpunkt (rechts).
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4 2. Invertierte Ebene farbig Abwedeln
Das zweite Verfahren hat Jörg Warda in seinem Workshop in der vorigen DOCMA auf Seite 118 vorgeschlagen: Entsättigen Sie das Bild, duplizieren Sie die Hintergrundebene und kehren Sie sie zum Negativ um (Strg-/Befehlstaste-I), im Bild links. Anschließend setzten Sie die Ebene auf den Modus „Farbig abwedeln“ rechts) und machen sie zum Smart-Objekt – entweder über das Kontext-Menü der
Ebenenpalette oder über „Ebene > Smart-Objekte“.
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5 Weichzeichnen und Verstärken
Der oberen Ebene weisen Sie nun den Smart-Filter „Gaußscher Weichzeichner“ zu (links). Wollen Sie die resultierenden Konturen akzentuieren, so ergänzen Sie eine „Tonwertkorrektur“-Einstellungsebene und schieben den Schwarzpunkt-Regler weit nach rechts und den Weißpunkt-Regler ein wenig nach links. Den Grad der Weichzeichnung regulieren Sie im Smart-Filter beliebig nach.
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6 3. Ebenenmodus „unterteilen“
In DOCMA 39 hatten Calvin Hollywood und Olaf Giermann auf Seite 62 eine Methode vorgeschlagen, die fast zum selben Ergebnis führt: Hier setzen Sie das Ebenenduplikat auf den in CS 5 neuen Modus
„Unterteilen“, bevor Sie den Gaußschen Weichzeichner als Smart-Filter anwenden und das Ergebnis per „Tonwertkorrektur“-Einstellungsebene verstärken. Sie sparen dabei das „Umkehren“ der Ebene.
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7 4. PS-FILTER: „Selektiver Weichzeichner“
Was bieten Photoshops Filter? Der „Selektive Weichzeichner“ softet Flächen ähnlicher Tonwerte und bewahrt – je nach Einstellung – Kontrastgrenzen. Für unsere Zwecke besonders interessant ist sein Modus „Nur Kante“ (der eigentlich die Kontrastgrenzen anzeigt). Bei niedrigem Radius und hohem Schwellenwert verbleiben nur wenige Kanten an den stärksten Kontrastsprüngen. Das Ergebnis der Filterung müssen Sie anschließend noch als Negativ umkehren.
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8 Hoher Radius, niedriger Schwellenwert
Sowohl eine Erhöhung des Wertes für „Radius“ wie das Absenken von „Schwellenwert“ führt zur Anzeige von mehr Kontrastkanten. Deren Darstellung lässt sich zusätzlich durch die Wahl einer höheren „Qualität“ beeinflussen. Die in den beiden Abbildungen verwendeten Parameter (5/30) bei Bild 7; 8/15 bei Bild 8) können Sie jeweils aus dem Screenshot des Filterdialogs ablesen. Auch die Burg in der Aufmacherillustration (Seite 34) wurde mit diesem Filter umgesetzt.
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9 Stilisierungsfilter „Konturen finden“
Dieser Filter aus der Gruppe der „Stilisierungsfilter“ verfügt über keine Einstellungsparameter, er wird also ohne weitere Beeinflussungsmöglichkeiten des Resultats direkt angewandt. (Erkennbar ist das im Filtermenü daran, dass nach dem Filternamen keine drei Punkte folgen.) Bei Bedarf akzentuieren Sie das Ergebnis (links) wie zuvor bei den anderen Methoden – etwa in Bild 5 – beschrieben (rechts).
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10 Filter „Konturen nachzeichnen“
Zu grafisch ganz anderen Liniendarstellungen führt „Stilisierungsfilter > Konturen nachzeichnen“; sie erinnern stärker an die Kontrastgrenzen des „Selektiven Weichzeichners“ (Bild 7 und 8). Zur Steuerung steht Ihnen ein „Tonwert“-Regler zur Verfügung sowie die Wahl der „Unteren“ und „Oberen Kante“. Die Einstellungen sind links „Tonwert 30 / O bere Kante“, rechts „Tonwert 128 / Untere Kante“.
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11 Zeichenfilter „Fotokopie“
Ähnliche Ergebnisse wie mit dem „Fotokopie“-Filter können Sie über
entsprechende Parameterzuweisung auch bei den in Schritt 3 bis 5
vorgestellten Verfahren erzielen. Bei häufiger Anwendung ist das Anlegen
einer Aktion sinnvoll. Wer lieber auf fertig programmierte Filter
mit ihren Reglern zurückgreift, findet bei „Fotokopie“ eine gute Lösung
für weiche Umsetzungen. Auch in diesem Fall lohnt sich je nach
gewünschten Ergebnis eine weitere Akzentuierung.
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12 Zeichenfilter „Stempel“
Zu einem völlig anderen grafischen Stil, der eher an einen Holz- oder Linolschnitt erinnert, verhilft Ihnen der Zeichenfilter „Stempel“. Bei diesen Vervielfältigungsverfahren gibt es keine dünnen Linien, so dass bei einer entsprechend angestrebten Anmutung mit etwas gröberer Umsetzung überzeugende Bildergebnisse entstehen. Der Filter „Stempel“ greift auf die aktuellen Vorder- und Hintergrundfarbe zurück. Wählbar sind „Hell-Dunkel-Balance“ und „Glättung“.
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13 5. PLUG-INS: Akv is Plug-in „sketch“
Das „Sketch“- Plug-in führt zur wohl überzeugendsten Umsetzung eines Fotos in eine Zeichnung, die dank der Regler „Intensität der Mitteltöne“ und „Schraffierung der Mitteltöne“ sehr gut steuerbar ist und durchaus „handgemacht“ wirkt. Die beiden anderen Parameter sind „Größe“ (des Stifts) sowie „Minimale und maximale Länge“ (der Zeichenstriche). Leider arbeitet das Plug-in sehr langsam.
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14 Alien Akin Plug-in „Pencil sketch“
Zur Alien-Skin-Collection „Snap Art“ gehört unter anderem „Pencil Sketch“. Ähnlich wie bei „Sketch“ entsteht keine typische Konturenzeichnung, sondern eher eine schraffierte Bleistift-Grafik. Sie könnten in diesem Fall die manuelle Anmutung dadurch verstärken, dass Sie den Filter nicht auf das ganze Bild anwenden, sondern je nach Ausrichtung der Haare unterschiedliche Schraffurwinkel wählen.
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15 Alien Skin Plug-in „Stylize“
Ein weiteres Plug-in aus Alien Skins „Snap Art“-Sammlung ist „Stylize“, das vor allem durch seine eigenwilligen – vektororientierten – Konturlinien auffällt. Sie verlaufen zum Teil zufallsgesteuert, was
dem Bild einen eher comic-artigen Charakter verleiht. Dazu kommt eine Mischung mit tongetrennten Elementen des Ausgangsfotos. Ob sich die resultierende freie Umsetzung der Konturen für Ihr Projekt eignet, müssen Sie im Einzelfall entscheiden.
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16 Digital Anarchy Plug-in „Toon it!“
Bereits der Name „ToonIt!“ für dieses Plug-in von Digital Anarchy lässt erahnen, dass auch hier die Ergebnisse an Comics erinnern. Von den zahlreichen Fenstern und Reglern habe ich für unseren Zweck lediglich auf „Outlines“ zurückgegriffen, das eine gewisse Ähnlichkeit zu Photoshops „Stempel“ (Bild 12) aufweist. So entsteht eine kräftige, holzschnittartige Wirkung – aber abhängig von der Kombination der Parameter sind viele andere Varianten möglich.
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17 6. Zusätzlich färben: Ausgangsfoto
Schauen wir uns zum Abschluss ein Motiv aus dem Bereich der Architektur an, das sich in der Regel besser für eine Konturumwandlung eignet als ein Porträt. Als Beispiel habe ich die Burg Eltz ausgesucht. Gebäude haben den Vorzug klar strukturierter Umrisslinien, allerdings können Binnenstrukturen dabei mitunter stören. Hier kommt weiterhin die Vegetation mit vielen Umrissen hinzu.
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18 „Tontrennung und Kantenbetonung“
Mischungen aus Konturzeichnung und Farbfassung lassen sich auf vielen Wegen realisieren, Bild 20 zeigt dazu zwei Varianten. Experimentieren Sie mit den Weichzeichner-, Kunst-, Mal- und Zeichenfiltern sowie ergänzend mit der Deckkraft. Der Kunstfilter „Tontrennung und Kantenbetonung“ leistet gleich beides: Konturendarstellung und Farbvereinfachung durch Tontrennung.
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19 Einstellungsebene „Schwarzweiss“
Wollen Sie nur die erzeugten Konturen weiterverwenden, so empfehlen sich als Zwischenschritt die „Schwarzweiß“-Einstellungen, etwa über „Bild > Korrekturen“. In der „Auto“-Variante entsteht in diesem Fall das Ergebnis links; schieben Sie alle Farbregler nach rechts, wird daraus das in der Mitte. Mit einer „Tonwertkorrektur“-Einstellungsebene (rechts) ist es nun deutlich einfacher, ohne Verluste die schwarzweißen Konturen herauszuarbeiten.
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20 Mischung mit farbiger Bildfassung
Der in Bild 18 beschriebene Filter modifiziert die Farbdarstellung durch comic-artige Tontrennung. Legen Sie ein Duplikat des ursprünglichen Fotos multiplizierend über die Konturendarstellung,
können Sie alle erdenklichen Filter darauf anwenden; hier sind das „Matter machen“ (links) und „Gekreuzte Malstriche“ (rechts), jeweils mit 70 % Deckkraft. Schwaches Überlagern eines Fotos mit den eigenen Konturen führt zu dezenter Detailbetonung (ganz rechts).
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Dieser Workshop stammt von der DOCMA (Nr.41 / Juli 2011) – Doc Baumanns Magazin für digitale Bildbearbeitung. Das erstklassige DOCMA Magazin findet man im gut sortierten Zeitschriftenladen oder im Web, bei Facebook und Twitter.