Diesen Monat erklären wir im Tutorial, wie man Vektoren produziert. Besonders Anfänger wird dieser Grundlagen-Workshop weiterhelfen, aber auch Fortgeschrittene sollten jede Menge hilfreicher Tipps darin entdecken können.
Schritt für Schritt bauen wir eine Vektorgrafik auf Basis eines Fotos eines coolen Oldtimers. Hierzu bedienen wir uns des mächtigen Tools Illustrator CS4.


1 – Erstellen Sie ein neues Dokument in welchem die Illustration erstellt wird.
In diesem Tutorial wählen wir eine A4 Zeichenfläche mit horizontaler Ausrichtung. Bedenkt man, daß Vektorgrafiken sehr wahrscheinlich im Print-Bereich verwendet werden, zum Beispiel in einem Zeitungsartikel, sollte der Farbmodus des neuen Dokuments auf CMYK gesetzt sein und bei Rastereffekte “Hoch 300 ppi” ausgewählt werden.
Das neue Dokument nennen wir z.B. “Woodie-Surfwagon-Illustration”.
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2 – Wir fügen das Foto, auf dem die Vektor-Illustration basieren soll, ins Dokument ein. Das Bild in diesem Tutorial stammt natürlich aus dem Fotolia-Archiv, stellt einen originalen, amerikanischen Ford 1950 dar; ein 3-türiger Kombi mit hölzernen Aufbauten, Weißwandreifen, Sonnenblende, Reserverad und Dachträger mit einem langen Surfbrett.
3 – Mit gedrückter Shift-Taste (um die Proportionen zu erhalten) skalieren wir das Bild, bis das Fahrzeug in den Zeichnungsbereich des A4 Querformats passt. Das Bild in der Transformieren Palette so platzieren, daß der vertikale und horizontale Teil des Foto sich passgenau auf Seitenbreite und in der Mitte befindet.
02-placed-photo-scaled-A4.jpg
Diese erste Ebene mit dem platzierten Foto speichern wir der Bequemlichkeit halber unter der Bildnummer ab und sperren sie, so daß das Foto nicht versehentlich verschoben werden kann.
4 – In der Ebenen-Palette eine neue Ebene hinzufügen. Diese Ebene ist für die Vorder- und Hinterräder gedacht und wird dementsprechend benannt.
Mit einem Klick auf das Lineal am oberen Rand der Arbeitsfläche eine horizontale Hilfslinie, bis zum unteren Rand der Vorderreifen ziehen. Von dem Lineal auf der linken Seite eine vertikale Hilfslinie an die linke Kante des vorderen Reifens ziehen.
Mit dem Ellipse-Werkzeug und gedrückter Shift-Taste (um vertikale und horizontale Proportionen zu erhalten), dort klicken, wo die beiden Hilfslinien zusammentreffen und einen Kreis nach oben und rechts ziehen, um den Umfang des Reifens zu bestimmen. Diesen Kreis kopieren und mittels ” davor einfügen ” ein Duplikat mit den gleichen Koordinaten erstellen. Während der neue Kreis noch ausgewählt ist, klicken wir in der Transform-Palette auf das Quadrat in der Mitte des Referenzpunkt-Rasters. Nachdem wir uns versichert haben, daß die horizontalen und vertikalen Achsen proportional verlaufen, reduzieren wir die Größe des neuen Kreises am äußeren Rand des Reifens (Weißwandreifen). Der Vorgang wird solange wiederholt, bis auch der innere Rand des Weißwandreifens, die äußeren und inneren Ränder des Chromspangenrings und die Außenkante der Chromradkappe markiert sind.
5 – Wenn nun die Ebene mit dem platzierten Bild ausgeblendet wird, kann man erkennen, daß die sechs um den gleichen Punkt zentrierten Kreise abnehmende Konturen aufweisen. Wir wählen sie alle aus und setzen die Konturen auf 1pt. 03-whitewall-outlines.jpg
Nun diese Ebene duplizieren, sperren und in der Ebenen-Palette ausblenden. In der ursprünglichen Ebene des Reifens wählen wir den 2. und 3. Kreis, ändern die Konturstärke und nutzen eine Füllfarbe. Nun den kleineren der beiden Kreise mittels “überlappende Formbereichen Ausschließen’ in der Pathfinder-Palette “ausstanzen”. Auf “Umwandeln” klicken und die Reifen mit Weiß füllen.
6 – Jetzt den 5. Kreis kopieren und vorn einfügen. Danach den 1. Kreis auswählen, das ganze wiederholen und diesmal mit Schwarz füllen. Im Menü “Objekt” unter Anordnen den Befehl “In den Hintergrund” verwenden. Wir klicken auf den darüber liegenden 5. Kreis und füllen mit der gleichen Farbe wie die der Karosserie. Die darunter liegende Ebene sichtbar machen und mit der Pipette außerhalb des Bildes die Farbe aufnehmen. Das Rad sollte jetzt dunkelblau sein. Den innersten Kreis der Radkappe füllen wir mit einem blassen Grau (mit Chrom befassen wir uns später näher). Wir sollten nun ein blaues Rad mit einer hellgrauen Radkappe, einem schwarzen Reifen mit einer weißen Seitenwand erstellt haben. Aber Moment – was ist mit dem verchromten Spangenring?
7 – Wir entsperren die duplizierte Reifen-Ebene und machen sie sichtbar (am besten die Original-Rad-Ebene für einen Augenblick sperren). Wir wählen den 3. sowie den 4. Kreis und erstellen uns mit Hilfe der „Pathfinder“ Palette einen verchromten Spangenring. Dieser wird mit der gleichen grauen Farbe wie die Radkappe gefüllt. Nun die darunter liegende Reifen-Ebene entsperren und während der Spangenring in der Ebenen-Kopie ausgewählt ist, ziehen wir das farbige Quadrat aus der Kopie unten auf die ursprüngliche Reifen-Ebene. Der ausgewählte Spangenring ist jetzt im Ebenen-Stapel verschoben.
04-drag-trimring-down-a-layer.jpg
Nun löschen wir die doppelte Reifen-Ebene. Alle Komponenten des Vorderrades werden ausgewählt und einer Gruppe zugeordnet. Die Gruppe kopieren und einsetzen. Mit gedrückter Shift-Taste (um die Bewegung an der horizontalen Achse einzuschränken) die neue Rad-Auswahl nach rechts ziehen und das Hinterrad für die Illustrationen erstellen.
8 – Das nächste, was gezeichnet wird ist die Karosserie. Mit dem Zoom-Werkzeug vergrößern wir den Bereich um die Radkappenabdeckung. Zieht am besten eine Hilfslinie unten und in Höhe der unteren Schwelle. Wenn wir das vergrößerte Bild auf der rechten Seite betrachten sehen wir, daß die unteren Kanten des Holzpaneels nicht optimal sind.
9 – Mit dem Zeichenstift-Werkzeug eine dunkle Konturfarbe, ohne Füllung auswählen und die Form des Aufbaus nachzeichnen. So legen wir die Silhouette der Karosserie fest. Alles andere wie verchromte Stoßstangen, Kühlergrill und Scheinwerfer kommt später. Es ist wirklich einfacher das Bild, welches wir zeichnen, ohne Füllfarbe und nur mit einer Konturfarbe zu sehen. Wer unbedingt möchte kann ja von Zeit zu Zeit eine Füllfarbe verwenden, um zu sehen, wie die Farbe zu der gezeichneten Form passt.
Bei Verwendung des Zeichenstift-Werkzeugs wird bei jedem Mausklick ein neuer Vektor-Punkt erzeugt. Durch Klicken und Ziehen mit der Maus werden “Griffe” sichtbar, die verwendet werden, um die Linie zwischen einem Vektor-Punkten und dem nächsten zu definieren. Beim Nachzeichnen des Umrisses des Autos Kombi darauf achten, daß die Linien der Silhouette oder Form geschlossen werden – quasi der letzte mit dem ersten Vektor-Punkt verbunden wird. Das sollte als Faustregel immer berücksichtigt werden. Man stelle sich eine nicht geschlossene Silhouette im Produktionsprozess vor: Wenn beispielsweise eine Plotterfolie hergestellt werden soll, hört die Klinge dann einfach dort auf zu schneiden, wo sich der letzte Vektor-Punkt befindet. Das Design ist im Endeffekt auf der Folie nicht zu gebrauchen und der Ärger dementsprechend groß.
Wenn es zu schwierig ist die Kanten der Karosserieteile zu erkennen, wird die untere Ebene einfach entsperrt und die Transparenz des Bildes auf 75% reduziert, so daß das Hintergrundbild heller erscheint. Wenn die Silhouette der Karosserie komplett ist und alle Umrisse als Pfad geschlossen wurden, kommen wir zum Lackieren. Wir füllen die Karosserie mit einer dunkelblauen Farbe. Ohne die Seitenfenster sieht unser Wagen jetzt aus wie ein Kastenwagen.
10 – In einer dritten Ebene mit dem Namen “Holzarbeiten” zeichnen wir die hölzernen Rahmen und Verkleidungen mit einer braunen Konturfarbe.
Mit der Pipette nehmen wir die entsprechende Farbe aus dem drunterliegenden Foto auf. Nun skizzieren wir die Außenkanten der Seitenteile aus Holz. Weiter geht es mit den Seitenfenstern. Wir erstellen eine Kopie der Seitenfenster und verstecken sie in einer neuen Ebene. Zurück in der Holzarbeiten-Ebene füllen wir diese mit einer hellbraunen Farbe und “stanzen” die Fenster in der gleichen Weise wie bei den Reifen vorher aus. Jetzt ziehen wir die Kopie der Seitenfenster unten in die Karosserie-Ebene und “stanzen” die Seitenfenster in gleicher Weise aus der blauen Karosserie.
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11 – In einer weiteren neuen Ebene zeichnen wir die dunklen Holzvertäfelungen und die Ränder der hellen hölzernen Rahmen nach. Der Name dieser Ebene lautet “Holzarbeiten 2 ‘. Nun nimmt die Illustration langsam wirklich Gestalt an.
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Höchste Zeit für die Erstellung der Chrom-Teile, die wir in einer neuen Ebene namens “Chromework” erstellen. Wir machen zunächst die darunterliegende Foto-Ebene sichtbar.
In der Karosserie-Ebene tauschen wir die blaue Füllfarbe mit Transparent. Wir erstellen eine Kopie und fügen sie in die Chromework-Ebene ein. Nun die drunter liegende Foto-Ebene wieder ausblenden. Mit dem Scheren-Werkzeug schneiden wir den Pfad an der Spitze der Frontflügel knapp oberhalb der Scheinwerfer und an der Unterseite aus. Wir behalten nur die Linie die die vordere Kante des vorderen Flügels definiert. Der Rest der Karosserie Silhouette wird gelöscht. Die Linie duplizieren und das Duplikat in einer anderen Ebene verstecken. Wir verwenden diese Linie, um die rechte Kante der Chromework-Elemente festzulegen. Nun zeichnen wir den Rahmen für den Kühlergrill, die zentralen Abschnitte im Kühlergrill, die Stoßstangen und alles was dazu gehört.
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Schließlich zeichnen wir die vorderen Scheinwerfer, Blende und Linse, den Türdrücker und die Streifen entlang der Taille über den Holzpaneelen. Am Heck des Wagens fügen wir die hintere Stoßstange dazu und vergessen auf keinen Fall die vorderen Blinker.
12 – In einer neuen, separaten Ebene mit dem Titel “Ersatzrad und Rücklicht” fügen wir die “Continental Kitt”-Radabdeckung und die Rücklichtschale ein.
Zurück zur Karosserie-Ebene gehen und die obere Kante des vorderen Kotflügels, sowie die hintere Kante der Motorhaube definieren. Wir duplizieren die Formen der Radkastenabdeckungen aus der Karosserie-Ebene, platzieren sie in eine neue, darunter liegende Ebene mit dem Namen “Radkasten füllen” und füllen Sie die beiden Öffnungen mit einer dunkelgrauen Farbe. Wir fügen ein paar mehr Vektor-Punkte hinzu, um beide Pfade zu schließen. Durch Erweitern des Füllens unten lässt sich die Silhouette von Motor und Hinterachse simulieren. Ohne diese Elemente scheint die Karosserie über den Rädern “zu schweben” und sieht nicht korrekt aus.
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13 – Zur Abrundung der Abbildung und um das Fahrzeug ein wenig realistischer aussehen zu lassen, bietet es sich an, eine weitere Ebene für den Fenster-Bereich und darunter eine hellgraue Silhouette des Fensters auf der anderen Seite des Fahrzeugs zu erstellen. Dies hilft die Illusion von Tiefe zu schaffen, ebenso wie das Füllen des Radkastens die Illusion von Masse vermittelt.
Anstatt das illustrierte Auto einfach in der Luft “schweben” zu lassen, kann hier ein verschwommener weicher Schatten Wunder wirken und erweckt den Eindruck, als ob es auf einer ebenen Fläche steht. In unserem Beispiel wurde als Karosserie-Farbe ein blasses Türkis gewählt, natürlich kann das beliebig nach Geschmack differenziert werden.
Durch die Auswahl “alle Objekte mit der gleichen Farbe füllen” in der Karosserie-Ebene können Sie die Farbe der Lackierung auf Karosserie, Radkappen, Reserverad Abdeckung und Rücklicht mit einem Mausklick in der Farbpalette ändern. Durch Sperren der Rad-Ebene und Aktivieren aller anderen Ebenen, kann man nun den Korpus des Wagens so austarieren, daß ein cooler “Lowrider” Look entsteht. Wenn der ganze Körper am vorderen Ende nach unten gesenkt wird, erzeugen wir die typische “Hot Rod” Haltung.
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14 – Nun, da wir unsere Darstellung eines klassischen Ford 1950 Surf-Wagon geschaffen haben, fehlt nur noch die passende Kulisse mit sich brechenden Wellen, Palmen und ein toller Hintergrund und dem Einsatz in einer Zeitschrift oder als Druck auf einem T-Shirt steht nichts mehr im Wege. Wie wir die Illustration weiter entwicklen können, darum wird es später gehen in der der Fortsetzung unseres Vektor-Tutorials.
Bis dahin viel Spaß und gutes Gelingen!