Hallo Fotolia-Community! Einige Fotolianer/Innen trafen sich neulich bei Heinz, um einem Profi über die Schulter zu gucken. Stefan Körber war so nett, dieses Ereignis schriftlich festzuhalten, die Bilder wurden von Heinz zur Verfügung gestellt, das Model ist Maria von der Agentur www.stage24.de. Viel Spass beim Lesen.

Mir fällt es glücklicherweise nicht schwer, an einem Samstagmorgen früh aus den Federn zu kommen. Heute ist das aber noch einmal so leicht.
Heinz Augé hat zum Workshop geladen und schon die Tatsache einmal ein
richtiges Studio von innen zu sehen macht mich neugierig. Bisher kenne ich nur die „Studios“ die man so von seinen Aufnahmen für
Passfotos kennt. Ein Stuhl eine Kamera, das alles in einer größeren
Besenkammer und einen gelangweilten Fotografen, dem man an der
Gesichtsfarbe ansieht, dass er schon seit einer ganzen Weile nicht mehr ans Tageslicht gekommen ist.
Heute werde ich einem Profi über die Schultern sehen. Vorher aber noch
einmal über die Linse wischen und den Staub vom Sensor wedeln.
Heinz will Aufnahmen in einem Aquarium machen. Im Aquarium? Er fragte
nach einem alten Wecker. Den konnte ich nicht auftreiben, dafür aber eine Handvoll anderer Spielereien. Schnell alles in den Wagen und das Navi auf Köln eingestellt, schon geht’s los. Neun Uhr, das müsste locker reichen, ich will nicht zu spät kommen.
Köln, Industrieloft, Hinterhof….
Noch ein paar Meter durch den Innenhof und dann der Schritt in diese
andere Welt. Whow… ich bin da, und der Erste! „Guten Morgen“ ein
Händedruck und ein herzliches Willkommen. Heinz begrüßt mich und lässt
mich erst einmal ankommen. Schnell ist ein Kaffee zur Stelle um die
Minuten zu überbrücken bis alle da sind. Man merkt es ihm an, er möchte loslegen. Das ein oder andere bekomme ich kurz gezeigt aber dann hält er sich zurück, er möchte nicht zu viel erzählen schließlich sind noch nicht alle da.
Dann kommen Emmi, 3dmaster, Andre Bonn und Daniel Hildebrandt, Esther
musste leider kurzfristig absagen da ihr Betrieb Ihre Anwesenheit
dringend verlangte… und schon sind wir komplett.
Nun stehen wir hier und warten auf das was heute passieren soll. Zuerst bekommen wir eine kleine Führung durch die heiligen Hallen, Heinz wird es nicht so sehen aber zumindest ich empfinde es so. Alles ist hoch, groß und man ist vollkommen andere Dimensionen gewohnt. Großer Studioraum, kleines Studio für Stills, Werkstatt, Maske, Büro, Requisite …Heinz erklärt uns, das die “Hohlkehle” auf der eigentlich alles stattfindet, mindestens 2x im Monat frisch gestrichen wird. Ok, wer sich die Schuhe nicht abstreift, der muss eben streichen denke ich. Vollkommener Blödsinn, unser Workshopleiter ist Profi und das spürt man bei jedem Satz den er uns zu erzählen hat. Ein kurzer Blick ins Lager, noch die ein oder andere Tasse Kaffee verteilt, und schon geht es mit lecker belegten Brötchen, die uns Daniel aus seinem Restaurant mitgebracht hat, um die Ecke nach draußen. Unter freiem Himmel an einem langen Biertisch beginnt die Tagesplanung. Das heißt Heinz hat bereits das grobe Konzept für den Tag erstellt und wir nicken im Grunde nur noch zustimmend.
Im Requisitenfundus sprich Keller… vollgestopft mit Deko, Geschirr etc findet sich dann auch noch ein Wecker. so wie man sich einen Wecker vorstellt…
Im Studio werden erste Freiwillige bestimmt die des Wischens und Putzens mächtig sind. Eine Flasche Glasreiniger, ein Küchentuch und schon rollt ein Aquarium auf einem Tisch herein. So sauber war das Ding noch nie, hier sind eben Profis am Werk, der eine auf dem, der andere auf einem anderen Gebiet.
Ein Schlauch, ein Wasserhahn und auf Kommando füllt sich der Behälter
mit klarem Wasser. Schlauch ab und das Aquarium auf die große Bühne in
das noch dunkle Rampenlicht. Zum Glück muss niemand ins Aquarium
steigen um die Aufnahmen zu machen. Mit Aufnahmen im Aquarium sind die Gegenstände gemeint, die man darin versenkt um sie zu fotografieren.
Zuerst muss eine Zitrone als Testobjekt. für unsere ersten Gehversuche herhalten Heinz fordert uns auf selbst über die nächsten Schritte nachzudenken. Was ist wie, wo, und mit welchen Mitteln möglich. Was möchten wir und wie können wir das erreichen.
Dumm nur das die Zitrone immer oben aufschwimmt…unsere Objekte aber
unter Wasser abgelichtet werden sollen…
Fix ist die Zitrone an einen Faden gebunden, mit einem Stück Metall
beschwert und auf halber Höhe im Aquarium versenkt. Nun kommt das
Licht, Heinz besitzt reichlich viel davon. Hier eine Lampe, hier ein
Scheinwerfer, da eine Leuchte und überhaupt gibt es hier alles was das
Herz an Licht begehrt. Von der Taschenlampe fürs “Lightpainting” bis
hin zu einem riesigen silberfarbenen „Regenschirm“ der in der Größe
eher einem Mannschaftszelt der Bundeswehr gleicht, als einem
Studioblitz. Wie schon erwähnt, die Dimensionen sind hier andere als
bei mir zu Haus in der Küche. Eins zwei drei, stehen diverse Aggregate, die für die notwendige Energie sorgen sollen, bereit. Nebenbei erklärt er uns die Funktionen eines Blitz/Belichtungsmessers und demonstriert verschiedene Messmethoden…die Blitzaggregate haben soviel Power das wir bei 100 Iso mit Blende 64!!! fotografieren
könnten, wenn unsere Kameras diese Blende überhaupt hätten….aber das
nur am Rande… Derweil hängt die Zitrone geduldig im Wasser und wartet darauf, dass es losgeht.
Heinz erklärt uns kurz das ein oder andere Verfahren im Bezug auf die
Technik und schon starten wir die ersten Versuche. Nacheinander steckt
sich jeder den Auslöser für die Blitzlichtanlage auf den Blitzschuh
seiner Kamera, nimmt die Zitrone mittig ins Visier und Schuss. Und
wieder …Schuss mal von rechts, mal von links, mal nah, mal weit. Die
ersten Ergebnisse sind ernüchternd. Wahrscheinlich ist der Zitrone
dabei übel geworden. Blass und farblos zeigt sie sich auf den
Aufnahmen. Ja, is eben nix mit eben mal blitz und knips. So langsam
wird uns bewusst, was eine gute Aufnahme an Vorarbeit benötigt.
Jetzt legt Heinz los. Hier ein Spot, da ein Reflektor, ein Strahler
von da, ein Licht von hier und alles mit der nötigen Erklärung dazu damit wir wissen, was da vor sich geht.
Jetzt eine Kamera…er erklärt uns die verschieden Systeme
..Balgenkamera, Mittelformat und KB….aha, so sehen die aus, dachte
meine sei groß…und der erste Schuss sitzt. Kräftige Farbe, schöne
Schärfe und die Zitrone ist wieder wohlauf. Die Aufwärmrunde ist vorbei, ab nun fliegender Start. Wecker, Handy,Obst und Gemüse, Erdbeeren und alles was sich nicht wehrt, werden gnadenlos versenkt. Blubberblasen die nicht dort erscheinen wo sie sollen, werden mittels Schlauch zurückbefördert und müssen so oft vor der Kamera tanzen, bis sie auf der Aufnahme dort auftauchen, wo sie dem Fotografen ein Grinsen entlocken. Wer jetzt denkt wir hätten das ganze mit einer Lichtschranke gemacht täuscht…einer wirft…einer schiesst…1…2…3…zu früh!!…1—2–3– zu spät!!!…
Es bilden sich Teams die abwechselnd werfen, rausfischen und
shooten…dabei wird auch vor notwendigen Verkleidungen nicht halt
gemacht…gell..Andre, der weisse Bademantel stand dir wirklich
gut!!!:-)))) Whow…ich brauch ein Aquarium!
comp_comp_IMG_6565.jpg
Bis zur geplanten Ankunft des Models ist noch ‘ne knappe Stunde
Zeit…und wir beschließen noch eine schnelle improvisierte
Foodaufnahme zu machen… Kühlschrank auf…ups!…das war der falsche…da steht tatsächlich ein Kühlschrank der noch voll mit Filmen gefüllt ist…hier wird noch Filmmaterial gelagert, zb Diamaterial in der Grösse 18×24 cm!!!!..noch nie gesehen sowas…
workshop02.jpg
Also Garnelen aufgetaut, ein paar dünne Nudeln in heisses Wasser gelegt und mit der Schere im Kräutergarten ein paar Bündel abgeschnitten…
Wir wollten ausprobieren ob man mit 1 Lampe und etwas Zubehör auf die
Schnelle was ansehnliches hinbekommen. Der Aufbau der da entsteht gleicht einer Krake…biegsame Hilfsarme, Spieglein und Folien schaffen es wirklich das winzige Teil gut aussehen zu lassen…
Wir lernen schnell das es noch ein anderes Licht für Food gibt, als nur eine 1x1m Softbox direkt drauf zu richten…
workshop06.jpg
workshop09.jpg
Model und Makeupartist treffen pünktlich ein. Bevor es los geht fordert Heinz das Model auf sich erst einmal zu entspannen und „anzukommen“, wie er sagt. Sie hat eine vierstündige Fahrt hinter sich. Visagistin und Modell ziehen sich in einen Nebenraum zurück und bereiten sich auf die Aufnahmen vor, die gleich anstehen werden. Wir beginnen damit, Aquarium/Foodset und Accessoires beiseite zu räumen und aus dem Feuchtbiotop ein Business-Büro zu machen.
Unser Büro besteht zuerst einmal aus zwei Unterstellböcken aus dem
Baumarkt, darüber wird eine einfache weiß lackierte Platte gelegt, ein
Laptop darauf und ein Bürostuhl dahinter. Fertig! Heinz schleppt unterdessen mannshohe Styroporplatten herbei die er rechts und links neben dem Schreibtisch platziert.
comp_comp_IMG_6638.jpg
Er weiß was er tut; nach 25 Jahren im Job gehört Improvisationstalent
einfach zum Geschäft. Hier trifft zu, was so manche von sich behaupten. Hier ist jemand, der wirklich noch mit einem Schuhkarton fotografieren könnte, wenn es sein müsste.
Die Platten sollen das Licht lenken, und den Dienst tun sie allemal!
Also warum auf teures Equipment zurückgreifen wenn man sich auch mit
alltäglichen Materialien helfen kann.
Fehlt nur noch die passende Schreibkraft hinter dem Tisch. Markus wird
übermütig und nimmt probeweise mal Platz. Noch bevor er sich aus der
Schußbahn befreien kann, ist er im Kasten. Aufnahmen für die Ewigkeit.
Schön anzusehen aber bei weitem nicht das was nun kommen soll. Aus dem
Nebenraum erscheint Maria: 180 cm groß, schlank, blonde, irre lange,
glatte Haare. Perfekt geschminkt, nicht zu auffällig und wüsste man es
nicht, auch kaum zu erkennen. Perfekt eben. Sie nimmt hinter dem
„Schreibtisch“ Platz. Die Visagistin immer in ihrer Nähe. Ein bisschen
Farbe hier und dort, noch schnell eine glänzende Stelle abgepudert und
schon erklärt uns Heinz schmunzelnd, dass Visagisten immer erst aus dem Set gejagt werden müssen, wenn man seine Aufnahmen machen möchte!
workshop04.jpg
Heinz unterhält sich kurz mit Maria, und wir nutzen die Gelegenheit ein paar „Making of’s“, oder wie ich sage „Erinnerungsfotos“ zu machen. Erinnern möchte ich mich, was, wo, wie stand damit ich mir das gesehene und vielleicht wieder vergessene in Erinnerung rufen kann.
Wie schon zuvor bei den Aufnahmen mit dem Aquarium tasten wir uns
langsam ran. Nach den Test- Aufnahmen die jeder gemacht hat werden einige Bilder am Bildschirm überprüft, und kurz besprochen.
Jetzt gehts für uns wirklich los….Heinz stoppt unseren Tatendrang
kurz. Was haben wir vergessen? Maria ist keine Zitrone…also, erst einmal vorstellen. „Hallo ich bin Stefan und habe nun dies und jenes vor“. Heinz ist es wichtig, dass wir bei aller Leidenschaft eins nicht
vergessen. Unser Modell ist ein Mensch und kein Gegenstand. Ein Amateur vergisst so etwas schon mal schnell in der Hitze des Gefechtes. Also stets das Modell beobachten, ihr die gemachten Aufnahmen zeigen, mit Beispielen zu gewünschten Bewegungen animieren und gerade bei Menschen, die das Modeln erst beginnen, immer für eine lockere Atmosphäre sorgen. Somit sind ihre Bewegungen leicht und ungezwungen und sorgen für gute Aufnahmen.
Heinz hilft uns aus dem Hintergrund mit lockeren Sprüchen und motiviert Maria zu immer neuen Gesten und Mimiken. Es läuft. Maria wird entspannter, schnell wird aus dem lachenden ein nachdenkliches,
aus dem verträumten ein heiteres Gesicht. Accessoires wie Brille und Handy unterstützen die Aussage im Bild. Unsere Fantasie befreit sich und Maria zerreist auf unsere Anweisung hin Formulare und wirft die
Schnipsel in die Luft. Klick, die Schnipsel sind auf der Aufnahme in
der Luft eingefroren. Perfekt!
Nur als wir möchten das Sie mit einem Hammer auf das Notebook einschlägt, muss der Besitzer doch kurz protestieren.:-))) Break!…
Im Nebenraum verwandelt die Visagistin Maria von der eleganten
Sekretärin zur Modeikone. Die weiße Bluse weicht einem schwarzen
Rollkragenpullover und die Haare winden sich wie ein Seidenschal um
ihren Hals.
Heinz zaubert derweil aus dem „Büro“ einen Laufsteg. Eine
Milchglasscheibe auf ein Podest gelegt wird zum Catwalk und aus den
Styroporplatten werden …Styroporplatten die wie zuvor, das Licht
dorthin bringen wo es hin soll.
workshop05.jpg
Auf in die nächste Runde. Das Motiv soll clean und grafisch werden.
Kurze Korrekturen beim Licht, kleine Verbesserungen bei der
Körperhaltung und schon entsteht eine Aufnahme nach der anderen.
Aufnahmen die wir so wahrscheinlich nie wieder machen werden.
Der Blick auf die Uhr zeigt es geht dem Ende zu. Modell und Visagistin begeben sich nach hinten und wir bauen die Kulisse ab. Styroporplatten ins Lager, Aggregate zur Seite und das Set frei machen, damit es am Wochenanfang wieder frisch gestrichen werden
kann. Von uns hat sich nämlich niemand die Schuhe ausgezogen bis auf
Maria…Profi eben!
Beeindruckt und mit einer Menge Input stehen wir nun da und
verabschieden uns voneinander. Unsere Erlkönigin Emmi, Andre, Markus,
Daniel, und ich.
Wir möchten uns noch einmal ganz herzlich für diesen Tag bei Heinz Augé
bedanken der uns einen Blick hinter die Kulissen eines professionellen
Fotografen schenkte und uns darüber hinaus mit viel Engagement hin zu
besseren Fotos geführt hat.
Vielen Dank
Emmi, Andre, Daniel, Markus und Stefan